DokumenteLösch Wienn, digitale Ausgabe

Lösch Wienn, digitale Ausgabe

Abraham â Sancta Clara • 2015
23.176 Tokens
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250
Seiten
322
Personennamen
189
Ortsnamen
Seite v. Umschlag recto🖼️
Seite v. Umschlag verso🖼️
Seite v. fliegendes Vorsatzblatt recto🖼️
Seite v. fliegendes Vorsatzblatt verso🖼️
Seite Abb. vor Titel recto🖼️

Lösch Wienn

Rauchmüller . del .
Lerch sc

Seite Leerseite🖼️
Seite Titel recto🖼️
Lösch Wienn /
Das ist
Ein Bewögliche Anmah
nung
zu der Kays . Residentz=
Statt
Wienn in Oesterreich /
Was Gestalten
Dieselbige der so viel
tausend Verstorbenen Be
kanten
vnd Verwandten nicht
wolle vergessen / welche vor einem Jahr
zur harten Pest=Zeit ohne gewöhnliche Leichbesing
nuß
/ ohne Begleitung der Freundschafft / rc.
Elend vnter die Erden gerathen .
Deren vermuthlich viel in
den zeitlichen
Flammen deß Fegfeuers
Jhre gröste Zuversicht schöpf
fen
zu der gewöhnlichen Acht=Tägigen
Andacht in der Todten=Capellen / bey denen
PP . Augustinern Baarfüssern .
Jn Kürtze zusammen gesetzt
Durch P . Abraham Augusti
ner
Baarfüsser Kays . Prediger vnd
der Zeit Prior / rc.
Gedruckt zu Wien̅ / bey Peter Paul Vivian / 1680 .
Seite Titel verso🖼️
Seite Widmung [S. 1]🖼️
Der Hochwürdigen
in Gott Geistlichen / An
dächtigen
/ auch Hoch= vnd
Wohlgebornen Frauen
Frauen ANNÆ
JACOBINÆ

von Questenberg

Würdigsten Obristin deß weit
berühmten
hochlöblichen Stiffts vnd
Jungfrau=Kloster zu der Him̅el=Por
ten
/ deß H . Augustini Cano
nissin
in Wienn .
Wie auch der Wohl=Ehrwür
digen
Frau Dechäntin / sambt dem
Löblichen Convent , &c .

DJe DIe Nunmehro
Schmutzige vnnd
Nichts=Nutzige
Welt hat vnd halt neben
an=

Seite Widmung [S. 2]🖼️
andern schimpffliche̅ Nach
klang
auch dieses feine mit
dem scilicet versiglete Lob /
auß den Augen auß
den Sinn : vnd scheint
als wäre vieler Gedächt
nuß
durchlöchert wie ein
Süb / daß so gar nichts
darinn hafftet / als wann
sich das gestrige mit dem
heutigen nicht könt vertra
gen
; forderst zeigt sich in
dem Fall der Menschen Ge
dächtnuß
Wurm=stichig /
daß sie so bald der Verstor
benen
Bekandten vnd An
verwandte̅
vergessen ; Dio
scori-
Seite Widmung [S. 3]🖼️
scorides
lehrt zwar / als
seye Cardobenedict=Distl
sehr heilsamb zur Stär
ckung
der Gedächtnuß : es
wäre fast vonnöthen / man
thät dieses Kraut so häuf
fig
wie den Kell pflantzen /
dann die Gedächtnuß bey
den mehriste̅ die Schwind
sucht
hat . Und dise ist die
erhebliche Ursach / welche
mich zu disen kleine̅ Büchl
veranlasset hat / zu ermah
nen
nemblich die Lebendige
Wienner / damit sie der ver
storbenen
Wienner nicht
wollen vergessen / welche
3 vor
Seite Widmung [S. 4]🖼️
vor einem Jahr in so gros
ser
Anzahl vnseren Augen
entzogen worden ;

Der Jnhalt diser wenig
Blätl zeiget / wie man den
verstorbnen Christglaubi
gen
ein hülffreiche Hand
reichen kan / dafern sie in
dem peynlchen peynlichen Ofen deß
Fegfeuers verhafft ligen /
wie es dann vermuthlich
ist von gar vielen / so durch
verwichne Pest von vns
das Valete genommen .

Daß ich mich aber Euer
Hochwürden vnnd Gna
den

Seite Widmung [S. 5]🖼️
den / vnd dem gantzen Löb
lichen
Capitul dise wenige
Zeil zu dediciren vnterfan
ge
/ hat mich erstlich darzu
bewogen dero beharrliche
Andacht / vnd allbekandter
Eyffer / welchen sie zwar
zwischen den Mauren vnd
Enger / strenger Clausur
verbergen wollen / kan aber
doch nicht also verhült wer
den
/ daß er nicht allerseits
kundtbar vnd stattkündig
außbrichet ; Und weil in
vnserer Todten=Capellen
durch Jährliche solennitet
ein acht=tägige Andacht
für
Seite Widmung [S. 6]🖼️
für die Christglaubige Ab
gestorbene
gehalten wird /
auch alle Tag durch solche
Octav zwey eyffer=volle
Predigen durch vnterschid
liche
Religiosen vorgetra
gen
werden / Jhr aber ge
segnete
Lilien=Schaar / vnd
gewidmete Bräut Christi
wegen freywilliger Ein
sambkeit
vnd strenger Ver
sperrung
solchen offentli
chen
Andachten beywoh
nen
nicht könnet / also hat
mich für gut geduncket / et
was
weniges auff das Pa
pier
zusetzen / was sonsten
die
Seite Widmung [S. 7]🖼️
die Cantzel weitlauffiger
außleget .

Zum anderten ist be
kant
/ das zwar der Heili
ge
Martyrer vnnd Blut=
Zeug
Christi Florianus als
ein Patron für Löschung
der gefährlichen Brunsten
verehrt wird ; also glau
be
ich wohl / wann schon
Euer Gnaden vnter deren
Liebsten vntergebnen keine
Florianos zehlen / werde
aber wohl Florianas fin
den
/ verstehe fromme Ge
müther
/ welche mit ihren
gewöhnlichen Andachten
das

Seite Widmung [S. 8]🖼️
das Feuer der armen Seele̅
zu löschen sich embsig an
nehmen
. Den Habacuc hat
man mit Haaren müssen
darzu ziehen / daß er dem
verarrestierten Daniel in
der Grueben eine Erqui
ckung
gebracht : Euer
Hochwürden vnnd Gna
den
aber sambt dem Löb
lichen
Convent seynd frey
müthige
Gutthäterin de
ren
in jener Welt verhaff
ten
Christglaubigen / vnd
tretten sie alle in die Fuß=
Stapffen
der Heil . Heil .
Brigittæ , Gertrudis , The
resiæ,
Seite Widmung [S. 9]🖼️
resiæ
, Christinæ Mirabi
lis
, Catharinæ Bononien
sis
, Magdalenæ de Paz
zi
, &c .
Welche Heilige
Jungfrauen absonderlich
sich mit Gut=Heissung ih
res
liebsten Bräutigamb
JESU übten in der An
dacht
für die Abgestorbe
nen
/ wie in dero Lebens=
Verfassung
zu sehen ist .

Es scheint zwar dises
kleine Büchel wie jener Fei
genbaum
in dem Evange
lio
,
so viel Blätter vnd
kein Frucht hätte / vnd des
senthalben
es etwann ei
ner

Seite Widmung [S. 10]🖼️
ner ein Keckheit tauffen
möcht / daß ich mit ein so
wintzige̅ Offert auffwarte .

Es tröst mich aber jene
Jungfrauen Procession
nach dem Himmel / auß
dero fünff derenthalben
Willkomm seynd gewest
bey der Himmel=Porten /
weilen sie brennende Lam
pen
mit sich getragen / hof
fe
dessentwegen auch / daß
es mir nicht werde vn
gnädig
ablauffen bey der
Himmel=Porten zu
Wienn / dann ob ich schon
keine brennende Lampen
mit

Seite Widmung [S. 11]🖼️
mit mir bringe / so seynds
gleichwol bren̅ende Lambl /
verstehe die armen Seelen /
so da vnauffhörlich mit ih
rer
klagender Lamblstimm
Miseremini MEi MEi ,
auffschreyen / vnd Hülff
verlangen ; denen es ohn
gezweifflet
die gantze Wien̅=
Statt
/ forderst aber Euer
Hochwürden vnd Gna
den
/ sambt ihren Gottsee
ligen
Vntergebnen nicht
werden abschlagen .

Offerire demnach mit
allzim̅ender Demuth / vnd
Unterthänigkeit dises we
nige

Seite Widmung [S. 12]🖼️
nige / Euer Hochwürden
vnd Gnaden / wie auch de
ro
Wohl=Ehrwürdigen
Frau Dechäntin / sambt
dem Löblichen Convent ,
Lebe der tröstlichen Zu
versicht
/ sie werden mich
vnd vns alle dermahlen
Dienst ergebene Caplanen
in gewünschter Wohlge
wogenheit
beständig er
halten
.

Euer Hochwürden vnd
Gnaden / sambt deß Löb
lichen
Capituls .

Wienn den 2 . Novemb . Anno 1680 .

Demütigster vnd dienstschul
digster
Caplan .

P . F . Abraham .

Seite Ad Lectorem [S. 1]🖼️
AD LECTOREM .

LJeber LIeber Leser / es wird ohn
gezweiffelt
dieses wintzi
ge
Büchel in viler Händ
gerathen / denen das Fegfeuer /
für ein heylige Fabl vnd ohn
gründliches
Gedicht fürkom̅t /
es ist aber mein Zihl nicht ge
west
allhier ein weitläuffige Di
sputation
zuschmidten / ob zwar
die häuffige Argumenten vnd
auß dem Brunn Göttli
cher
Schrifft geschöpffte Zeug
nussen
satsamb könten beyge
bracht
werden / so hab ich aber
die Feder ferners wollen sparn /
vnnd mit Göttlicher Hülff
dergleichen strittige Puncten
mit der Zeit durch mehrere Lehr
behaupten / für dißmal hab ich
für gut angesehen allein der
Wienner Gemüther in etwas
an=

Seite Ad Lectorem [S. 2]🖼️
anzusporren zu der Gedächt
nuß
der Christglaubigen Ab
gestorbnen
/ absonderlich / weil
der erste Uhrheber der Statt
Wienn / vermög der Chronick
soll gwest seyn ein Abraham ,
welcher achthundert Jahr nach
dem Sündfluß sich fünff Meil
von hier gesetzt hat / desse̅ Söhn
vnd Nachkömling die Wienn=
Statt
erbaut haben / wie dann
solches die Epitaphia vn̅ grab
schrifften
noch bezeigen / bin also
der gäntzlichen Zuversicht / alle
Wienner werden sich diß Jahr
Kinder vnd Söhn Abrahæ er
zeigen
/ das ist gütig / freygebig /
vnd barmhertzig gegen den Ar
men
/ forderst den armen See
len
in Fegfeuer / denen du Ca
tholischer
Leser auß mitleyden
den
Hertze̅ ohngezweiffelt wün
schest
die ewige Seeligkeit .

Seite Imprimatur🖼️
FACULTAS
R . P . PROVINCIALIS

P . Fr . Januarius à S . Elia : FF .
Erem : Discalc : Ordin . S . Augusti
ni
per Germaniam Provincialis
& Commissarius Generalis .

TEnore præsentium Faculta
tem
do R . P . Abrahamo à
S . Clara
, Priori Conventûs no
stri
ad S . Augustinum Viennæ :
ut libellum , cujus Titulus est :

Lösch Wienn / rc. Servatis ser
vandis
, typis edere possit . In
quorum fidem . Viennæ in præ
memorato
Conventu nostro die

20 . Octob . 1680 .

P . Fr . Januarius â S . Elia ,
idem qui supra .

Imprimatur .

Rudolphus Carolus Kazius ,
Exc . Reg . Consil . & p . t . Rect .

Laurentius Grüner , SS .
Theol . Doct . Can . Vien . &
p . t . Fac . Theol . Decanus .

Seite Leerseite🖼️
Seite S. 1🖼️
✾ 1 ✾

Wunsch Der Verstorbnen Wien̅er .

EJn EIn jede Statt pranget
gemeiniglich mit et
was
Denckwürdigs /
in der Haubt=Statt
Constantinopel wird für Denck
würdig
gezeigt der prächtige
Tempel S . Sophiæ , in wel
chem
allein hundert von kostbah
ren
Ertz gegossene Pforten zuse
hen
; Von der Reichsstatt Aug
spurg
wird für Denckwürdig
außgeben / als habe dieselbige ih
A ren

Seite S. 2🖼️
✾ 2 ✾
ren Ursprung gleich nach dem
Sündfluß von den Söhnen deß
Japhets genommen / vnd folg
samb
tausend zwey hundert vnd
zwantzig Jahr vor der Ankunfft
Messiæ gebaut worden ; Jn der
Statt Solothurn in Schwei
tzerland
wird für Memorabl ge
wisen
das Orth / allwo der S . Ur
sus
mit sechtzig andern streittba
ren
Gespannen vmb die Ehr vnd
Lehr Christi von dem Tyranni
schen
Diocletiano ist enthaubt
worden / mit disem vnerhörten
Wunder / das ein jeder auß disen
Christlichen Helden nach der
Enthaubtung sein Kopff in die
Händ genommen / vnd selben
über die hundert Schritt weit
getragen / wo sie nachmahls be
graben
worden ; Jn der Reichs=
Statt
Seite S. 3🖼️
✾ 3 ✾
Statt
Regenspurg wird für
Denckwürdig gewisen vnd ge
prisen
die mit gröster Kunst zu
sammen
gefügte Steinene Bru
cken
über die Donau / rc.

Zu Wienn in Oesterreich ne
ben
andern denckwürdigen Din
gen
wird absonderlich gefunden
etwas / an deme dise Residentz=
Statt
allen den Vorgang nimbt /
vnnd ist benantlich dises / das
Wienn mit so viel tausend gros
sen
vnd tieffen Kellern also vn
tergraben
/ das schon längst der
gemeine Ruff von diser berühm
ten
Statt gegangen / es seye
zu Wienn so viel Gebäu
vnter der Erd als ausser
der Erd .

Meine liebe Wienner / in kei
A 2 nen

Seite S. 4🖼️
✾ 4 ✾
nen Jahr habt ihr also vnter die
Erd gebaut / als Anno 1679 . in
welchem Jahr mehrer Wienner
ihre Ruhe genommen vnter der
Erd / als ausser derselben / aller
massen
die grassierende Pest der
gestalten
dise Volckreiche Resi
dentz=Statt
angegriffen / das et
lich
sibentzig tausend Jnnwoh
ner
durch solche vergiffte Seuch
seynd vmbkommen / vnd vnter
die Erden gerathen / auß welchen
aber ein jeder in seinen letzten
Zigen gantz inniglich geseufftzet /
vnd wo nicht mit der Zung / we
nigst
mit dem Hertzen widerholt
jene Gemüth=dringende Wort /
welche der verarrestierte Joseph
in dem Egyptischen Kercker zu
dem Königlichen Mundschenck
gebraucht hat / Memento mei ,
cum
Seite S. 5🖼️
✾ 5 ✾
cum bene tibi fuerit , & fa
cias
mecum Misericordiam ;

Gen . 40 . Gedencke an mich
wann es dir wohl gehet /
vnd thue Barmhertzigkeit
an mir .

Mein Wienn ! nun gehet es
dir / GOtt seye höchster Danck /
gantz wohl ; Vor einem Jahr
bist du gewest ein Coppey alles
Elends ; Deß Lots sein liebstes
Weib wegen eines ahnartigen
Vorwitz ist in ein Saltz=Seu
len
verwandlet worden / vor ei
nen
Jahr hat dich berühmtes
Wienn fast gleiches Unglück
überfallen / allermassen an dir
vnd vmb dir nichts als Saltz /
verstehe lauter gesaltzene Zäher
anzutreffen gewest seyn ; Die
A 3 Wit=

Seite S. 6🖼️
✾ 6 ✾
Wittib zu Naim hat bitterlich
geweint wegen Verlurst ihres
einigen Sohns / als man densel
ben
zum Grab getragen ; Vor
einen Jahr hast du fast verwit
tibte
Wiennstatt noch mehr ge
weint
/ wie man der Deinigen
so viel tausend in das Grab ge
schleifft
; Jener Feigenbaum / so
nechst bey dem Weeg gestanden /
ist durch den Fluch Christi deß
HErrn vrplötzlich verdorrt vnd
verdorben / vor einen Jahr hat
es den Schein gehabt / als sol
lest
du anseheliches Wienn / der
du so viel hundert Jahr hero
floriert / durch gerechtes Urtl=
GOttes
Urtl GOttes völlig verderben ; Zu
Jerusalem ware ein Schwem=
Teich
mit Nahmen Bethsaida /
welches fünff Schupffen hatte /
quin-
Seite S. 7🖼️
✾ 7 ✾
quinque porticus habens , vn
ter
welchen lauter krancke vnd
presthaffte Menschen lagen / die
fünff Monat / Julij / Augusti /
September / October / Novem
ber
vor einen Jahr seynd solche
fünff Schupffen gewest / warun
der
lauter Krancke schier / vnd Pe
stierte
gelegen ; Jener Hauß=
Vatter
in dem Evangelio gien
ge
Morgensfruhe auß / vnd fan
de
allzeit missige Leuth stehen
auff dem Marckt / welche er dann
in sein Weingarten gedingte /
wann diser Hauß=Vatter vor
einen Jahr zu Sommer vnd
Herbstzeit in die Wiennstatt
kommen wäre / hätte er wohl we
nig
auff dem Marckt / auff dem
Hohenmarckt / auff dem Neuen
marckt
/ auff dem Bauernmarckt /
A 4 auff
Seite S. 8🖼️
✾ 8 ✾
auff dem Künmarckt / auff dem
Fleischmarckt / rc. Missig ste
hende
antroffen / sonder mehri
sten
Theil Krancke ligen / Todte
ligen / Sterbende ligen / Elende
ligen ; Vor einen Jahr haben wir
an Händ vnd Füß mehr gezit
tert
als ein Cain / wir haben
mehr lamentiert als ein Jo
nas
in dem Wallfisch / wir ha
ben
grössere Trangsahlen außge
standen
/ als ein Agar in der
Wüsten ; Jn dem Evangelio ste
het
/ das ein Weib wegen eines
verlohrnen Groschen das gantze
Hauß habe außkehrt / der Todt
hat vor einen Jahr nicht nur ein
Hauß fonder sonder fast die gantze Statt
außgekehrt ; Vor einen Jahr
ware nichts als Elend vnd Trüb
salen
; Aber heyer mein Wienn
geht
Seite S. 9🖼️
✾ 9 ✾
geht es dir wider wohl vnd gantz
wohl / heyer lahest du wider mit
der Sara / heyer thust du wider
kosten das Hönig mit dem Sam
son
/ heyer prangst du wider mit
der Esther / heyer hast du wider
den vorigen Glückstand erreicht
mit dem Mundschenck deß
nigs
Pharaonis , Memento
mei ,
so gedencke dann an
mich / weilen es dir anjetzo aber
mahl
so wohl gehet / gedencke
an mich / schreyet mancher Wien
ner
auß dem Fegfeuer / & fa
cias
mecum misericordiam

vnd thue an mir ein Barmher
tzigkeit
.

Es ist ein Orth im Reich / das
selbe heist Mößkirch / es ist ein
Orth im Schwaben / das selbe
A 5 heist

Seite S. 10🖼️
✾ 10 ✾
heist Feldkirch / es ist ein Orth
in der Pfaltz / das selbe heist Neu
kirch
/ es ist ein Orth im Ober
land
/ das selbe heist Oberkirch /
es ist ein Orth im Hekey / das
selbe heist Steinkirch ; Alle dise
Oerther haben ein schönen Titl /
weil selbiger von der Kirchen
herrührt / aber mir vnnd for
derst
den armen Seelen im Feg
feuer
gefalt besser / der Namen
Helffendorff / Helffenstein / Helf
fenburg
/ also hatte den Namen
vor disen die schöne Statt Saltz
burg
Juvavium ; die arme be
trangte
Geister wünschen / das
GOtt der Wiennstatt den Na
men
veränderte wie dem Petro ,
so vorhero Simon Cephas ge
nant
ware / vnd gabe ihr den Na
men
Helff=Statt / allermassen
sie
Seite S. 11🖼️
✾ 11 ✾
sie vmb nichts anders schreyen /
vmb nichts anderst seufftzen / vmb
nichts anders die Händ auffhe
ben
/ als vmb Hilff / faciatis
nobiscum misericordiam .

Nichts Der verstorbnen Wienner .

ES seynd erleuchte vnd
schrifftgelehrte Männer
gewest / welche mit glaub
würdigen
Bezeugnussen ohne
Scheuch außgeben / daß der Him
mel
/ verstehe den Wohnplatz der
Außerwöhlten / so groß vnd weit
seye / das wofern der Allmächti
ge
GOtt auß einen jeden Sand
körnl
/ so an dem Uffer deß Meers
ligt / einen neuen Erden=Kreyß
A 6 erschaf=

Seite S. 12🖼️
✾ 12 ✾
erschaffen thät / so wurde man
dannoch mit disen so viel Mil
lion
tausend Welten nicht kön
nen
den Himmel einfühlen ; Es
seynd etliche Astrologi der vn
verwenden
Aussag / der Himmel
begreiffe in der Länge zehen tau
send
vnd vierzehen Million / in
der Braite aber drey tausend
sechs hundert Million Meil / ein
Million nach gewöhnlicher Rait=
Kunst
halt in sich zehenmahl
hundert tausend ; Weilen dann
der Himmel / diser Lust=Saal
der Seelen / diser Frey= vnnd
Freudenhoff der Außerwöhlten /
diser Glory=Thron der ewig
Gekrönten so groß vnd weit / al
so
glaubt einer / daß er seye nicht
für die Gänß gebaut / deme ant
wort
ich ja / nicht für die Gänß
noch
Seite S. 13🖼️
✾ 13 ✾
noch für die Anten / sonder für
die Menschen vnd folgsamb für
die Wienner / aber höre wohl /
vnd spann fein bede Ohren an
Pflug / im Himmel ist man nicht
allein heilig sonder auch haick
lich
/ non intrabit in eam ali
quod
coniquinatum coinquinatum ,
der die
geringste vnd wintzige Mackel
an ihm hat / dem ziecht man den
Schlagbaum vor / vnd heist vn
terdessen
/ vor der Thür ist draus
sen
.

Der H . Anno Ertz=Bischoff
zn zu Cölln hat auff ein Zeit den
H . Heribertum , Arnulphum ,
Bardonem
vnd andere Bischöff
im Himmel gesehen mit grosser
Glory vmbgeben / vnd mitten vn
ter
ihnen auch bereits einen herr
lichen
Thron für sein eigne Per
sohn

Seite S. 14🖼️
✾ 14 ✾
sohn / als er nun solchen gantz
girig wolte besteigen / holla ! ge
mach
! Kame ihm die Stimm
entgegen / es könne nicht seyn /
daß er den Himmel vnd dessen
Glory besitze / allweil er ein klei
ne
Mackel an sein Kleyd trage ;
Dise Mackel ware nichts anderst /
als daß er zuweilen noch denckte an
die Schmach / so ihme die Cöl
nische
Burgerschafft zugefügt .

Wann nur ein Wienner durch
Göttliche Zulassung wider zu
dem Leben kehren solte / wurde
er sonder zweiffels neben andern
bewöglichen Dingen auch bey
tragen
/ wie das vor einem Jahr
Anno 1679 . etlich tausend Wien
ner
für den Him̅el kommen seyn /
aber wegen einer vnd der andern
gerin=

Seite S. 15🖼️
✾ 15 ✾
geringen Mackel wider abgewi
sen
/ vnd solche in dem peynli
chen
Fegfeuer zusäubern / abge
söndert
; Dise geringe Mackeln
seynd die läßliche Sünden / wel
chen
man zu Wienn / wie auch
anderwerts / den wunderlichen
Titl Nichts zueignet : Jn der
Kirchen die auffzauste Frauen
oder Pfawen=Zucht nur ein we
nig
an gaffen / ey das ist Nichts ;
Jn der Kirchen einen mit halb
Niderländischen Mindichen ein
wenig anschmutzen / ey das ist
Nichts ; Jn der Kirchen mit
einen paar Hoffwort etliche klei
ne
Complementen spicken / ey
das ist Nichts ; Jn der Kirchen
nur ein wenig auff Kuchel / Kel
ler
vnd Kiechl zu Hauß dencken /
ey
Seite S. 16🖼️
✾ 16 ✾
ey das ist Nichts ; Zu Hauß
nur ein wenig die Haar krausen
vnd krumpen / welches je ein
abgeschmaches Weesen / vnd den
Göttlichen Wercken gäntzlich
zuwider / dann Christus auß
Krumpen gerade gemacht / di
se
Muster machen auß geraden
Haaren krumpe / ey das ist auch
Nichts ; Zu Hauß das Gesicht
nur ein wenig auff dem gläseren
Musterplatz führen / vnd dem
spiegelreichen Wahrsager vor
stellen
/ ey das ist Nichts ; Das
Angesicht wie Tiger=Arth mit
schwartzen Muschi vnterspicken /
vnd es wie ein Fasching=Kleyd /
so in lauter Fleckl besteht / auff
butzen
/ ey das ist Nichts ; Es
ist die Modi ; ein kleine vnd kaum
ein
Seite S. 17🖼️
✾ 17 ✾
ein halb Quintl schwäre Ehren=
Lug
thun / ey das ist Nichts ;
Ein lächerliche Schertz=Redt
vnd einen kleinen mit wenigen
Saufuetter vntermischten Dis
curs
führen / ey das ist Nichts ;
Ein grundlose Zeitung mit ein
wenig hellern Vmbständen an
streichen
/ das ist Nichts ; Ei
nen
geringfügigen Beschorres
etwann eines Gröschls zuschmi
den
/ ey das ist Nichts ; Einen
wenigen eytlen Ehren=Dampff
schlicken wegen guter Gestalt
oder andern natürlichen Gaben /
das ist Nichts ; Ein wenig vn
nütz
reden / vnnütz hören / vn
nütz
kosten / vnnütz sehen / vn
nütz
greiffen / rc. Das ist Nichts ;

Also
Seite S. 18🖼️
✾ 18 ✾

Also tituliren wir vnbedacht
sambe
vnbedachtsambe vnd schwanckmütige Men
schen
die läßliche Sünden / vnd
neben allem vnserem vielfälti
gen
Vmbgaffen / schauen wir
nie oder selten auff die Waag
der Göttlichen Justitz / wie ge
nau
dieselbige vnsere mindiste
Sünden vrthelt / vnd züchtiget .

Einen Apffel abbrocken /
vnd solchen Lusthalber essen / ist
Nichts ; Solches hat doch der
Ottoman̅ische Monarch so grau
samb
abgstrafft ; Bajacetes der
Türckische Kayser hatte in seinem
Hoff=Garten einen Apffelbaum
gepflantzt / vnnd selben mit sei
nem
Fleiß so weit geziglet / biß er
Frucht getragen / vnd zwar das
erste mahl drey Aepffel / welches
dem Kayser also erfreulich ware /
daß

Seite S. 19🖼️
✾ 19 ✾
daß er allen Hoffbedienten ernst
lich
gebotten / selbigen Baum ge
bührendt
zu respectiren / vnd wo
fern
damahlens ein Reichstag
vnter den Baumen wäre außge
schrieben
worden ; einen König
vnter ihnen zuerwöhlen / wäre
vngezweiffelt die Cron disem
Apffelbaum zukommen ; Als
aber vmb dieselbe Zeit drey Edl=
Knaben
deß Kaysers in obberühr
ten
Garten spatzieren giengen /
die heisse Sonnen=Hitz mit ei
nen
abkühlenden Baum=Schat
ten
zu verwechslen / ist einer von
der vnmässigen Schleckersucht
also angehetzt worden / daß er sich
an disem hoch=privilegierten
Baum vergriffen / ein Frucht ab
gebrockt
/ vnd mit disem theu
ren
Confect dem zaumlosen Ap
petit
Seite S. 20🖼️
✾ 20 ✾
petit
ein genügen geleist / wor
über
der ergrimbte Kayser also
bald
anbefohlen / dise drey Edle
Junge Herrn lebendig auffzu
schneiden
/ vnd mit dem bluti
gen
Messer auff die Spurr zu
kommen
/ in wessen Magen der
endfrembde Apffel lige / zum
Glück der andern hat die Mör
derung
deß ersten die That of
fenbahrt
. Gehe hin sag mehr
ein Apffel essen / seye Nichts .

Moyses von Kindheit an wa
re
gleichsamb Wunderthätig vnd
Gutthätig / Heylwürckend vnd
Heylig / Siegvoll vnd Segen
voll
/ zu Hoff der Allerweiseste /
in der Wüsten der Allerandäch
tigste
/ in dem Krieg der Aller
stärckiste
/ in dem Friden der Al
lersicherste
/ ein Regent aller Re
genten

Seite S. 21🖼️
✾ 21 ✾
genten / ein Jnnhalt aller Ta
lenten
/ ein Patron aller Ele
menten
/ bey GOtt angenehm /
bey dem Menschen vornehm / bey
GOtt andächtig / bey dem Men
schen
vollmächtig / allenthalben
groß / vnd von dem Himmel
gleichsamb zu einen Jrrdischen
GOtt gestellt ; nichts destowe
niger
ist er von dem Allerhöch
sten
so hart gestrafft worden /
daß ihme GOtt das gelobte Land
verwisen / ja er solle sein Leben=
Tag
nie dahin kommen / er seye
nicht werth noch würdig / solche
gewünschte Landschafft zu besi
tzen
/ Vidisti illam oculis tuis ,
& non transibis ad eam ;
Rath
aber ! Was für ein grosse Misse
that
diser Jsraelitische Führer
muß begangen haben ? kein an
derer
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✾ 22 ✾
derer
als dise Geringe / er schlu
ge
auff den Befelch GOttes mit
einer kleinen Forcht auff dem
Felsen / Wasser herauß zulocken /
welches dann nur ein läßliche
Sünd ware / vnd muste dan
noch
dessenthalben so schwer ge
züchtiget
werden ; Gehe hin vnd
sag mehr ein läßliche Sünd seye
Nichts .

Jn der Cistertzienser Cronick
list man von einem Geistlichen /
welcher wegen seines vollkom̅
nen
Wandels den Nahmen ei
nes
Heiligen führte / disen schick
te
sein Abbt auß / gewisse Klo
ster=Geschäfften
zu verrichten /
vnd als ihn ein gwisser Schiff
mann
über einen Fluß geführt /
vnd seinen rechtmässigen Lohn
begehrt / so nichts ware als ein
Kreu=

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✾ 23 ✾
Kreutzer / entschuldiget sich der
H . Mann / mit Vorwendung /
er habe dißmahl kein Geld bey
sich / wolle ihn aber ehist befri
digen
/ über welches beyde von
einander
/ aber der H . Religios
vergasse auf dise wintzige Schuld /
vnd stirbt in wenig Tagen mit
offentlichen Ruhm der Heilig
keit
/ nach dem Todt erscheint
er die erste Nacht seinen Abbten
mit gantz traurigen vnd bleichen
Angesicht / O JEsus / schrye der
Abbt ! Bist dann du nicht ein
Kind der Seeligkeit ? geniessest
du dann nicht die Glory der
Außerwählten ? ach ! antwort er
mit tieffen Seufftzern / gleich
nach meinem Ableiben haben
mich meine Verdiensten gegen
Himmel geführt / aber anfäng
lich
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✾ 24 ✾
lich
ware auff dem Weeg vor
mir ein eintziger Kreutzer / vnd
je weiter ich bin gekommen / je
grösser ist gedachter Kreutzer ge
wachsen
/ als ich endlich die Him
mels=Thür
vermeinte erreicht
zu haben / ist selbiger Kreutzer
dermassen groß worden / daß er
mir die völlige Himmels=Porten
verlegt vnd verspörrt / ich fragte
nicht ohne Fueg / was dieses
re
/ so ist mir aber die Antwort
gekommen / diß seye der Kreutzer /
den ich rechtmässig schuldig bin
dem armen Schiffmann / so mich
nechst über den Fluß geführt /
solle demnach diesen entweder
abzahlen in dem Fegfewer / oder
durch andere Händ dem Armen
Schiffmann gebührend abstat
ten
; O Allmächtiger GOTT !
ver=
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✾ 25 ✾
verrigelt einem ein Kreutzer die
Himmels=Thür ? wie viel ver
meint
ihr dann ? daß vor einem
Jahr verstorbne Wienner wer
den
vngehindert seyn im Him
mel
eingangen ? wie viel ? viel
leicht
so viel / als ein halb jähri
ges
Kind zehlen kan ; Sage
mehr / ein läßliche Sünd sey
nichts .

Ein Haar ist klein / vnd doch
in sieben Härl bestunde die welt
kündige
Stärcke deß Samsons ;
ein einiges Punctum oder Tipf
fel
ist klein / vnd doch kan das
selbe
einen Ketzerischen Text
verursachen / wie folgt ; surrexit
non . est hic .
Ein Steinl ist
klein / vnd doch hat solches die
grosse Statua deß prächtigsten
Nabuchodonosor zertrim̅ert ;
B der Der

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✾ 26 ✾
Der David ware klein / vnd doch
hat er dem vngeheuren Rissen
Goliath den Garauß gemacht ;
ein läßliche Sünd geduncket
vns klein / vnd schier Nichts /
vnd doch zindet selbige die grö
ste
Flammen an in dem peynli
chen
Ofen deß Fegfeuers ; Nicht
ohne Geheimnus hat der Herr
JEsus zween auß seinen Jün
gern
anbefohlen / sie sollen für sei
nen
Einzug nacher Jerusalem in
dem nechst=entlegenen Flecken
ein angebundne Eßlin sambt ei
nen
Füllen aufflössen / vnd zu
ihm führen . Invenietis asinam
& pullum cum ea , solvite .

vns dardurch zu weisen / daß wir
nicht allein sollen aufflössen
die Todt=Sünden / welche
durch die Eßlin verstanden /
son=
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✾ 27 ✾
sondern auch die kleine läßliche
Sünden / so durch das Füllen
bedeutet / allermassen auch dise
auff eine ohnerdenckliche Weiß
in dem Fegfewer abgestrafft wer
den
.

Jener fromme Mann auß dem
Orden deß H . Dominici / der
einen H . Lebens=Wandel führ
te
/ muste vnaußsprechliche Peyn
in dem Fegfewer außstehen / auß
einiger Ursach / weil er zu weilen
ein übermässige Freud schöpffte
an dem Gesang eines Vögerls /
so er zu seinem Trost in der Zell
hatte . ( a )

Jener gottseelige Cistercien
ser
/ an dessen Leben auch ein
hundert=augiger Argus nichts
zu tadlen fandte / muste in grö
B 2 sten

(a) Roa de Purg.

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✾ 28 ✾
sten Flammen hitzen vnd schwi
tzen
/ weil er etlich wenige ohn
nütze
Wort geredt in der Kir
chen
. ( b )

Der H . Petrus Damianus
schreibt von dem seeligen Bi
schoff
Severino / wie daß solcher
einem Priester von der Stadt
Cöllen erschienen / ihme zur Ur
kundt
seiner Schmertzen die
Hand gereicht / worvon deß Prie
sters
Hand also angefewert wor
den
/ daß dessen Fleisch wie ein
Wachs zerflossen / vnd nichts als
die dürre Beiner verblieben : der
Priester / ob zwar mit vnermeß
lichen
Schmertzen überhäufft / er
holte
sich ein wenig / vnd ge
traute
zu fragen / warumb er Se
verinus
ein so heiliger gewester
Bi=

(b) In Vit. Viror. Illust.

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✾ 29 ✾
Bischoff dergestalten ohnleident
liche
Quallen außstehe ? deme gab
er zur Antwort / es seye kein an
dere
Sünd an ihme gefunden
worden / als daß er zu weilen we
gen
vieler Hoff=Geschäfften sein
Brevier mit etwas außschwäiffi
gen
Gedancken gebett habe ; ( c )
sage mehr ein läßliche Sünd seye
Nichts .

Jst GOtt so genau in das
Gericht getretten mit seinen
Heiligen / deren Leben ein Exem
pel
vnd Exemplar ware aller
Vollkommenheit / wie wird es
dann den jenigen ergangen seyn /
welche nach der Modi jetziger
verkehrter / bethörter / versehr
ter
/ zerstörter Welt gewandlet
seyn ? hat der Heilige Carolus
B 3 Borro-

(c) Baptista Manni Disc. 9.

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✾ 30 ✾
Borromæus das Fegfewer ge
forchten
/ vnd dessenthalben in
seiner Grabschrifft / die er selb
sten
auffgericht / alle Christglau
bige
inniglich ersucht vmb das
heilige Gebett / Carolus Car
dinalis
titul : S . Praxedis , Ar
chi-Episcopus
Mediolanensis
frequentibus Cleri , populi
que
ac devoti fæminei sexûs
precibus se commendatum
cupiens , hoc loco monu
mentum
sibi elegit .

Hat der H . Ludovicus
nig
in Franckreich das Fegfeuer
geforchten ? vnd derentwegen in
dem Hinterlassnen Testament
seinen Sohn durch den wahren
lebendigen GOtt beschworen / er
wolle doch eylfertig gleich nach
seinem Hinscheyden für sein ar
me

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✾ 31 ✾
me Seel durch gantz Franckreich
betten lassen . Sub finem hor
tor
, & adjuro te , Fili mi , ut
si mihi contigerit , ante te
migrare ex hac vita , ut toto
Regno Franciæ pro anima
mea cures offerri DEO pre
ces
, & missæ sacrificia .

Weilen nun so grosse Heylige
jene zeitliche Flammen geforch
ten
/ deren doch Leben / Lieben /
vnd Loben stäts in GOtt / vnd
an GOtt ware ; wie haben erst
wir elende Menschen zuförchten zu förchten /
indeme vnser Wandl mit Mängel
wie Egypten zu Pharaonis Zeit
mit Heuschrecken angefüllt ; vn
ser
Gewissen in den Dorn=He
cken
/ wie deß Abrahams sein
Widder hanget ; vnser Gedan
cken
wie deß Petri Schiffl hin
B 4 vnd

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✾ 32 ✾
vnd her wancken ; vnser Hertz so
voller Verwirrung / wie der
Thurn Babel ; vnd in vnser Ge
dächtnuß
die Mucken vnd Gril
len
Schnurren wie in deß Sam
sonischen
Löwens=Rachen die
Bein ! Si justus vix salvabitur ,
impius & peccator ubi pare
bunt
?
Wann die Allergerechte
ste
sich also zu entsetzen haben ob
der Göttlichen Justitz ? Wie wird
es dann den Verstorbnen Wien
nern
ergangen seyn ? O wie we
nig
werden deroselben gezehlt
seyn worden ( vielleicht gar keine ! )
welche ohne das flam̅ende schwert
das Paradeyß erreicht ! vngezweif
let
seufftzen / schreyen vnd jam̅ern
noch vil Wienner auß disem peyn
lichen
Kercker / sagend vnd kla
gend
/ wie daß sie alles so genau biß
auff
Seite S. 33🖼️
✾ 33 ✾
auff den letzten Heller müssen be
zahlen
/ erkennent vnd bekennent
mit heissen Zähren / mit betrangte̅
Hertzen / mit feuriger Zungen /
wie Gott so scharff / auch die win
tzigste
Sünden / so sie allhier für
nichts geschätzt / züchtige vnd ab
straffe
/ O Weh ! O Weh !

Leyden Der verstorbnen Wienner .

ANno 1485 . hat die schöne
Statt Wienn in Oester
reich
nicht geringe Trang
salen
außgestanden / als dieselbige
von dem Vngarische̅ König Mat
thia
mit grosser Kriegsmacht belä
gert
/ vnd in solche eüsserste Noth
getrieben worden / das der bittere
Hunger die wohlgestalte Wien
ner=Gesichter
dermassen entfärbt
B 5 vnd

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✾ 34 ✾
vnd außgemerglet / das man hät
te
mit allem Fug sagen können /
Wienn seye von Geistern vnd
nicht von Menschen bewohnt /
weilen nemblich dazumahl der
Metzen Meel vmb hundert vnd
siben Gulden im Kauff gangen ;
deßwegen in dem Monat Junio
auß Drang vnd Zwang deß gros
sen
Hungers vnd allgemeinen E
lends
die Statt sich ergeben : ( d )
Zur selben Zeit haben die Wien
ner
erfahren / was Leyden ist ;
ich glaube aber / das die jenige
Wienner so vor einen Jahr durch
die grassierende Pest seynd in
häuffiger Anzahl hingerafft / vnd
durch den Sententz deß Göttli
chen
Richters in die zeitliche
Flammen deß Fegfeuers gestossen
wor=

(d) Bonfin. Ung. Chr. Bucholz. in An.

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✾ 35 ✾
worden / wohl besser , erfahren / was
Leyden ist .

Jn mitte deß Erdbodens hat
der gerechte GOtt / welcher vns
vernunfftseeligen Geschöpffen /
süß vnd Spieß zeigt / nach Arth
vnserer Verdiensten / drey vnder
schiedene
Oerther eingeschranckt /
worinnen die Sünder auß An
trib
der Göttlichen Justitz ge
züchtiget
werden : ein Orth pfle
gen
wir ins Gemein benambsen
die Höll / welche ist jener elen
der
Kercker / in dem die Ver
dambten
mit den Banden der
Ewigkeit angefässelt seyn ; das
andere Orth ist der Limbus ,
oder Vorhöll ; das dritte Orth
tragt den Namen Fegfeuer / wo
rinnen
durch zeitwehrende Flam
men
die Seelen gepeiniget wer
B 6 den.

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✾ 36 ✾
den . Das in dem Fegfeuer na
türliches
Feuer seye / ist ein all
gemeine
Aussag der H . Lehrer ;
Ja es ist auch ein natürliche
Muthmassung dessen : dann an
vnterschiedlichen Orthen deß
Erd=Bodens findt man einige
Berg / welche mit gröstem Ge
walt
/ vnd abscheulichen Knallen
stätte Flammen außspeyen / ( e )
der bekante Berg Vesuvius hat
zu Zeiten Kaysers Vespasiani
mit solchem Grimmen Feuer
außgeworffen / das hierdurch die
angräntzende Landschafft sambt
Stätt vnd Flecken in Aschen ge
legt
worden ; Der Berg Ætna
in Sicilien
weiset zum öfftern
solche Feuer=Funcken / das man
gäntzlich darvor halt / er seye ein
Ca=

(e) Nizeph. lib. 6. c. 12.

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✾ 37 ✾
Camin der Höll ; ( f ) In Licia
ist ein Berg Namens Chime
ra
;
in Æthiopia ist ein Berg
Namens Acroauna ; in Affrica
ist ein Berg Namens Teono
cherna
; in den Orientalischen
Jnseln Moro vnd Moluco wer
den
mehr solche Feuer=Berg an
getroffen
/ die da häuffige mit
Aschen vntermengte Flammen
außwerffen / vnd geben ein sol
ches
grosses Knallen vnd Getöß
von sich / als thue man die grö
ste
Carthaunen abschiessen ; Jn
Jsland wüttet der Berg Hecla ,
vnd treibt die Feuer=Flammen
von sich mit solcher vngestimme /
als kommen schon die Vorbot
ten
deß Jüngsten Tag / vnd zei
gen
sich allda auch zum öfftern
die

(f) Balthas. Diaz ex Ind. 1556.

Seite S. 38🖼️
✾ 38 ✾
die Erscheinung der Geister / rc.
Durch dergleichen erschröckliche
Feuerberg will der allerhöchste
GOtt der gantzen Welt zeigen /
wie daß er einen grossen Vor
rath
deß Feuers in dem Erdbo
den
eingeschlossen / warmit er die
Welt am Jüngsten Tag kan
straffen / vnnd auch bereits so
wohl die Verdambte / wie auch
die verhaffte Seelen im Fegfeuer
darmit züchtige ; O vnermäß
liches
Leyden !

Der H . Cyrillus Bischoff zu
Jerusalem schriebe auff ein Zeit
dem H . Augustino ein Brieff /
vnter andern setzte er dise denck
würdige
Wort / ( g ) Mallet
enim quilibet eorum , &c .
Ein
jeder in dem Fegfeuer / wann es
in

(g) S. Aug. Epist. 20. Charit. de Nov.

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✾ 39 ✾
in seiner Wahl stunde wolte lie
‚ber
alle Peyn vnd Tormenten / so
von Adam her gewest seyn / biß
auff den jüngsten Tag ohne Wei
‚gerung
außstehen / als nur ein
einigen Tag im Fegfeuer verwei
‚len
; O Leyden ! O Ley
den
!

Moyses der Jsraelitische Füh
rer
sandt einsmahl auß Befelch
Gottes zwölff Männer auß / wel
che
das gelobte Land Chanaan
solten außkundschafften / vnnd
sein die gewisse Avisa zuruck
bringen / wie dieselbe beschaf
fen
seye ? dise nach 40 . Tagen
kommen zuruck / vnd weil sie
schlecht behertzte Gesellen wa
ren
/ auch dero Buesen mit Haa
senbalg
gefüetert / trauten ihnen
nicht obberührte Landschafft mit
ge=

Seite S. 40🖼️
✾ 40 ✾
gewaffneter Hand zuerobern / vnd
damit sie auch andern die Cura
schi
mächten mindern / haben
sie vnverhofft vorgeben / wie das
in demselbigen Land so grosse
Leuth leben / ( i ) quibus com
parati
, quasi locustæ videba
mur
,
daß sie gegen ihnen wie
die Heuschröcken außsehen / ey !
warumb hat nicht das gantze
Volck pffiffen zu diser Zentner
schwären
Lug ! daß sie gegen den
selbigen
vngeheyrigen Leuthen
nur wie Heuschröcken zu ach
ten
/ das heist auffgeschnitten !

Aber das heist nicht auffge
schnitten
/ sonder ist die klare
Warheit : wann man die grosse
vnd schwäre Peyn deß Fegfeuers
wohl erwegen thut / so seynd
alle

(i) Num. 13. cap.

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✾ 41 ✾
alle Peyn vnd Tormenten der
H . Marterer gegen denselben
wie die Heuschrecken / ja wie
nichts zu schätzen / sondern
künnen noch wohl den Namen
tragen eines kühlen Tau : ( k )
Die H . Magdalena de Pazzi
wurde auff ein Zeit verzuckt /
nach solcher zimblich lang ver
weilter
Verzuckung hat sie bede
Händ in die Höhe gehebt / vnd
mit weinenden Augen auffge
schryen
/ omnia Tormenta , quæ
passi sunt Martyres , sunt tan
quam
amænus amœnus hortus respe
ctu
eorum , quæ infliguntur
in purgatorio ;
alle Peyn der
Marterer vnd Blutzeigen Chri
‚sti
/ sagte dise Heilige Jungfrau /
alle / alle seynd gegen den Qualen /
so

(k) In Vit.

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✾ 42 ✾
so die arme Seelen im Fegfeuer
außstehen / wie ein ergötzlicher
Lust=Garten zu halten ; der Rost
Laurentij ist kein Rost / sonder
ein Rast ; die Kiselstein Ste
phani
seynd keine Kiselstein /
sonder Kitzlstein ; das Feuer
Theophistæ ist kein Feuer /
sonder ein Feuerabend ; die Zang
Apolloniæ ist kein Zang / son
der
ein Gesang ; der Müllstein
Simeonis ist kein Müllstein / son
der
ein Milderstein ; die Pfeil
Sebastiani seynd keine Leibs=
Pfeil
sonder Liebs=Pfeil zu
achten
gegen denen Peynen / in
denen / bey denen / vnter denen
die armen Seelen ligen in den
Fegfeuer : welcher vergleicht dem
Bach Cedron mit den grossen
Oceano ; welcher vergleicht das
Lin=
Seite S. 43🖼️
✾ 43 ✾
Linsenkoch deß Esau mit dem süs
sen
Man̅a oder Himmel=Brodt /
welcher vergleicht das schlechte
Stattl Hai mit der grossen
Statt Jericho , welcher ver
gleicht
die Pharaonische Mu
cken
mit den Machabeischen Ele
phanten
/ derselbe vergleiche auch
alle gesambte Feuer=Flammen /
Funcken / Kohlen / Offen / vnd
Brunsten der gantzen Welt mit
der geringsten Peyn / so alldort ein
arme Seel in eine̅ Augenblick ley
det
; O Leyden ! O Leyden !

Diocletianus , Maximinia
nus
, Vespasianus , Julianus ,
Gordianus , Valerianus , Aure
lianus
, Numerianus , Jovinia
nus
,
lauter Tyrannen / lauter
Blut=Egl ; lauter Tiger=Ge
müther
/ lauter Schlangen=Brut /
lau=

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✾ 44 ✾
lauter ohnmenschliche Aben=
Theür
haben Tag vnd Nacht ge
dicht
auff Schlangen / Zangen /
Stangen / wie sie doch möchten
die verfolgte Christen peynigen ;
aber O meine Wien̅er haltet fein
all dero Schmertzen für ein lau
ters
Schertzen / gedenckt daß alles
Ach vnd Weh in diser Welt
ein lächerliches Kinder=Spiel /
vnd ein Baumwollene Ruthen
seye gegen den Peynen deß Feg
feuers
/ O Leyden ! Kombt
her ihr Zärtling vnd Butter=
Kinder
/ die ihr zu Wienn häuf
fig
/ vnd anderstwo auch nicht
manglet / viel vnd aber viel seynd
vnter euch / ihr könt es nicht ver
neinen
/ welche ein grössere Ob
sorg
tragen über ihr glattes Fell /
als
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✾ 45 ✾
als Laban über seine guldene
tzen=Bilder
/ vnd tractirt man
den Lebendigen Morast vnd po
lierte
Koth=Butten so haicklich /
wie der Aff sein Affel / ihr wist
wohl / so bald die Sommer=Hitz
in etwas ohnglümpffliche Straa
len
wirfft / so muß gleich das be
schäfftigete
Wäderl Mäderl kurtzumb ein
Wind erwecken / vnd dem Leib /
disem ohne das kühlen Tropf
fen
/ fein kühl machen ; ihr wist
wohl / so bald der rauche Decem
ber
nur von fernen trohet / so
wicklet man den Leib nicht an
derst
ein / als wie ein Seiden=
Wurm
/ damit nur disem Alla
baster=Topff
nicht übel gehe / vnd
geschehe ; ihr wist wohl so bald
der Durst nur ein wenig an
klopffet
/ so müssen gleich alle
als
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✾ 46 ✾
Schalen als Schalen ins Gewöhr stehen /
vnd ist kein Safft / der nicht zu
Wasser wird ; ihr wist wohl / so
bald der Magen nur ein wenig
pfnot / so versöhnt man ihn mit
beliebigen Schlecker=Bissel ohn
verzüglich
; ihr wist wohl / daß
ihr von allen Elementen ein
Discretion erfordert / vnd darff
das Zucker=Häutl nicht ein Mu
cken
ankauchen / O Empfind
lichkeit
! es wäre vonnöthen /
daß auff ein jeden Gelsen=Stich
der Wund=Artzt ein eignes Pfla
ster
richtet ; ihr wist wohl / wann
ihr nur ein gemahlten Kühstall
an der Wand sehet / so vnder
stitzt
ihr schon die Nasen mit ei
nem
Balsam=Büchsel ; ihr wist
wohl / daß ihr das haickle Maul
drey Tag aneinander außschwei
bet /
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✾ 47 ✾
bet
/ wanns nur einmahl ein ver
gessene
Fisch=Gall gekost ; ihr
wist wohl / daß ihr auch den
Weyhbrunn ohne Handschuh
nicht nehmt / vnd so es möglich
wäre auch über euren Athem ein
Fueteral machen ließt ; O heick
liche
Menschen / vnnd wei
che
Welt=Zärtling / wie wirds
euch dann ankommen / im Feuer
ligen / im Feuer bratten / im
Feuer brinnen / im Feuer sitzen /
im Feuer schwitzen / im Feuer
waltzen / vnd sieden wie die Ar
bes
in dem Topff / vnd glosen
wie die Stein in dem Ziegl=
Ofen
/ vnd funcken wie das Ei
sen
in der Schmidten ? wann
ihr auff der Welt den mindesten
Funcken eines Liecht=Butzens
nicht könt erdulden / so eracht
dann
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✾ 48 ✾
dann / wie dich das brennende /
brinnende / brallende / braßlen
de
Fegfeuer wird ankommen /
O Leyden !

Der from̅e vnd H . Man̅ Dio
nysius
Carthusianus
schreibt
von einen seeligen Ordensmann
in Engeland / wie daß demselben
auff vieles Anhalten GOtt der
Herr habe gezeigt die Peyn deß
Fegfeuers / über welche er sich
also entrüst hat / daß er lang
gantz redloß verblichen / endlich
in diese denckwürdige Reden
außgebrochen ; Testis est mihi
DEUS ,
der allwissende GOTT
ist mein Zeug / wofern ich einen
Menschen wuste / der mein grö
‚ster
Widersacher wäre gewest /
vnd alle meine Bluts=Ver
wand=

Seite S. 49🖼️
✾ 49 ✾
wandte ermordt hette / vnd sahe
disen in dem Fegfeuer / so wurde
ich ohngeacht alles Schadens /
den er mir oder den Meinigen
zugefügt / für seine Erlösung tau
sendmahl
sterben ; dann was ich
gesehen hab in dem Fegfeuer /
übersteigt allen Menschlichen
Verstand / übertrifft Zihl vnnd
Zahl / Weiß vnd Weesen / alle
Schmertzen vnd Welte . ( a )

GOtt der Herr hat befohlen /
daß wann ihm ein Geflügelwerck
wurde auffgeopffert in dem alten
Testament / man es vorhero wohl
ropffen solle / die grosse Federn
embsig außrauffen / vnd weil an
dergleichen Vögeln auch nach
dem genauesten ropffen gleich
wol
noch kleine Stifftel vnd
Milch=Federl verbleiben / also
C hat

(a) Diony: Carthus: de Jud: part: 1.

Seite S. 50🖼️
✾ 50 ✾
hat GOtt der Herr gebotten /
( b ) man solle solchen geropfften
Vogl etlich mal durch das Feuer
ziehen / damit er von dergleichen
Stifftel / vnd Halb=Federn durch
das Feuer gereiniget werde . Auff
gleiche Weiß handlet der Aller
höchste
mit der Menschlichen
Seel ; ehe vnd bevor er dieselbige
in den Himmel für sein Göttli
ches
Angesicht als ein geliebtes
Opffer an= vnd auffnimbt / ist
vonnöthen / durch ein rew=volle
Beicht die grosse Federn der
Todt=Sünden außropffen / weil
aber auch gemeiniglich kleine
Stifftel der läßlichen Sünden
überbleiben / also wil Gott daß
selbige durch das Feuer vnd Feg
feuer
sollen gereiniget werden .
O wie

(b) Levit. 1. Mom. 1. 13. Qua.

Seite S. 51🖼️
✾ 51 ✾
O wie vil tausend Wienner seynd
villeicht vor einem Jahr in dieses
Feuer gestürtzt worden / vnd brin
nen
annoch in diesen erschröckli
chen
Flammen ! dann es nichts
neues ist / daß der gerechteste
GOtt solche Peyn zum öfftesten
auff viel Jahr erstrecket : ( c ) Zu
mahlen
bekandt ist von Ludovico
den Römischen Kayser / welcher
seinen Sohn Ludwig damahl
Teutschen König ohnweit der
Statt Verona erschienen / vnd
ihn durch JEsum Christum be
schworren
/ er solle doch einmal
ihn auß den ohnermeßlichen Tor
menten
erlösen / welche er schon
dreyssig gantzer Jahr gelitten . O
Allmächtiger GOtt ! alle Glider
zittern / alle Bluts=Tropffen er
C 2 kal=

(c) Baron: in Ann: 874.

Seite S. 52🖼️
✾ 52 ✾
kalten
schier / das Hertz sincket
wann wir betrachten / daß ein
einiger Tag im Fegfeuer wie
tausend Jahr vorkombt ; was ist
das ! O wie ist das ! wann je
mand
dort viel Jahr / verarrestir
ter
ligt . O GOtt !

Freund Der Verstorbnen Wien̅er .

DAs Wörtl Wienn in
einen Anagramma oder
Buchstaben=Wechsel heist
Weinn . Nun wäre von grund
zu wünschen / daß die liebe Statt
Wienn ein Wein=Art / oder bes
ser
geredt / ein Wein=Stock=Art
an sich nehme / als welcher ein
fügliches Sinn=Bild ist eines
recht=

Seite S. 53🖼️
✾ 53 ✾
rechtschaffenen Freunds ; Ein
rechter vnd treuer Freund muß
nicht seyn wie ein Egl oder ein
Jgl ; ein Jgl sagt Plinius , hat
zu seinen Losament vnter der Er
den
zwey vnterschiedliche Ein
gang
/ einer ist gegen Orient ,
der ander gegen Occident ; nun
ist der spitzige Jgl so spitzfindig /
daß er nur zu demselben Orth
auß= vnd eingehet / wo der war
me
Lufft zu wähen pflegt : ein
solcher Gesell welcher nur dort
auß= vnd eingehet / wo es warm /
vnd wohl vnd gut hergehet der
ist kein auffrichtiger Freund / son
der
nur ein Tisch=Freund vnd
ein Fisch=Freund / nur ein Schis
sel=Freund
vnd ein Bißl=Freund ;
Ein trewer Freund muß nicht
seyn wie ein Egl ; diser saugt so
C 3 lang
Seite S. 54🖼️
✾ 54 ✾
lang an einem / biß er genug ge
sogen
vnd zogen hat / alsdann
fallt er meynädig ab ; ein solcher /
der so lang einen anhangt / biß
er erlangt / was er verlangt / ist
kein auffrichtiger Freund / son
der
nur ein Interesse=Freund /
ein Promesse=Freund . Ein rech
ter
vnd gerechter Freund / ein
verständiger vnnd beständiger
Freund ist gantz ähnlich einen
Weinstock ; wann diser gepflantzt
wird zu ein Baum / so wird er
gleich denselben mit seinen grü
nen
vnd safftigen Armben gantz
lieb=voll vmbfangen / vnd gleich
samb
gantz hertzig vmbhalssen ;
dafern aber der Baum stirbt vnd
verdirbt / so weicht gleichwol der
Weinstock / von seiner auffrich
tigen
Treu nicht ab / sondern
wick=
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✾ 55 ✾
wicklet seine Armb noch vmb
den verstorbnen Baum / vnd hat
ihn also nach dem Todt noch lieb .

Du mein werthistes Wienn /
weil du ohne das mit fruchtbaren
Weinstöcken allerseits vmbgeben
bist / so ziehe gleichmässig auch
an dich die Arth eines Wein
stocks
; zeige vnd erzeige deine
wohl=gewogene Freündschafft
nicht allein in dem Leben / son
dern
auch nach dem Todt / vnd
vergisse doch vmb Gottes Wil
len
nicht der verstorbnen Freund
vnnd Anverwandten in jener
Welt / welche mit drey trauri
gen
Musicalischen Notten dich
ohnauffhörlich anschreyen MI-
se-RE-MI-ni
mei saltem vos
amici mei ,
erbarmbt euch mei
C 4 ner

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✾ 56 ✾
ner auffs wenigst ihr meine
Freund .

Es ist auff ein Zeit einer zu
einem Handelsmann kommen /
als der gar sein guter Freund
ware / vnnd wolte etwas von
ihme kauffen / sagte beynebens /
mein Bruder / gib mirs vmb ein
leichten Werth / du wirst ja an
mir keinen Gewinn suchen / weil
ich dein guter Freund bin : Ja
eben darumb antwort er / weil
du mein guter Freund bist / su
che
ich mein Gwinn bey dir /
dann von einen Feind hab ich
nichts zu hoffen . Jst dann von
nöthen
/ daß ich es bey meinen
guten Freund suche ?

Von wem sollen die arme
Betrangte Geister in jener
Welt Hülff hoffen ? von ihren
Fein=

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✾ 57 ✾
Feinden nicht / wohl aber von
Freunden vnd Bluts=Verwand
ten
/ weil diese ihn mehr ver
pflicht
/ als andere ; ja von der
Natur selbst hierzu angesporrt
werden ; Dahero als der zwölff
jährige
Göttliche Knab zu Je
rusalem
von seinen liebsten El
tern
verlohren worden / haben ihn
diese nachmals mit grosser Emb
sigkeit
gesucht / vnter den Be
freundten
/ haben den geraden
Weeg genommen zu den Vet
tern
/ Mäimen / vnd Verwand
ten
zu Jerusalem / der Meynung
als werden die Bluts=Freund
sich deß guldenen Knaben an
nehmen
/ ( d ) Requirebant eum
inter cognatos & notos ;
deß
gleichen
schreyen die arme See
C 5 len

(d) Luc. 2. cap.

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✾ 58 ✾
len
auß disem angefeuerten Ker
cker
zu ihren hinterlassenen
Bluts=Verwandten hoffend for
derst
/ diese werden sich ihrer an
nehmen
vnd erbarmen : O wie
manche Ehegemahlin auß disem
flammenden Ofen schreyet vmb
Hülff zu ihrem hinterlassenen
Herren / vnd wie ist es möglich
daß man ihrer sich nicht soll er
barmen
? allermassen dergleichen
treue Chonleuth Eheleuth sollen seyn wie
die Ruthen der Schatzgraber /
oder Goldgraber / dann dise Ru
then
haben eine so wunderseltza
me
Eygenschafft ( ob solche na
türlich
seye / ist dißfals nicht zu
zweifflen
) daß wo ein Schatz
begraben ist / allda neigen sich
von freyen stucken die Ruthen
gegen der Erden . Die Eheleuth
pfle=
Seite S. 59🖼️
✾ 59 ✾
pflegen gewöniglich auß habender
Lieb einander Schatz zu heissen /
mein Schatz / mein guldener
Schatz ; wann dann ein solcher
Schatz in der Erd / wie vor ein
Jahr nicht wenig begraben wor
den
/ so neigt euch ihr hinterlas
sene
Eheleuth gegen der Erd /
gegen dem vergrabnen Schatz /
vnd seyet ihnen noch geneigt vn
ter
der Erden ; Hat es doch ein
Art einer Viehischen Tyranney /
vnd muß ein solches Gemüth
dem harten Kisel=Stein verwand
seyn / wann es der Verstorbnen
so bald vergist .

Gedencket wie die Göttliche
Justiz mit dem reichen Brasser
so scharpff verfahren / dessen Seel
an das ewige Nimmer vnnd
C 6 Jm=

Seite S. 60🖼️
✾ 60 ✾
Jmmer gebunden worden /
Nimmer herauß auß disem feu
rigen
Ofen / Jmmer darinn ;
Was ware dann die Ursach
seiner Verdamnuß ? etwann hat
er sich mit frembden Güttern be
reicht
/ vnd auß anderen Leuth
Häuthen Riemen geschnitten /
wie Judas Iscarioth ? nein ; et
wann
hat er einen sträfflichen
Ehebruch begangen / wie der Da
vid
? nein ; oder ist er hochmü
tig
gewest wie ein Aman / oder
ist er neydig gewest wie ein Cain ?
nein ; oder ist er mörderisch ge
west
wie ein Herodes ? nichts
dergleichen : zieht das Evange
lium
an ; sonder diß allein / er
hat den armen Lazarum vor der
Thür lassen ligen / sich seiner
nicht
Seite S. 61🖼️
✾ 61 ✾
nicht erbarmbt / noch weniger
ihm ein bissel Brod mitgetheilt ;
Et sepultus est in Inferno , dest
wegen
hat ihn GOtt ewig ver
worffen
/ vnd Lazarus ware ihme
doch nichts befreunt / er ware we
der
Vatter / noch Vetter / we
der
Bruder / weder Anverwand
ter
;

O Meine Wienner . Ver
zeichnet
diß in euer Hertz hinein /
grabts in euer Gedächtnuß hin
ein
/ schließt es in eueren Ver
stand
hinein / vnd erwegts wohl ;
ist der reiche Mann vnter einer
Todt=Sünd verpflicht vnd schul
dig
gewest / dem armen / Lazaro in
seinen grösten Nöthen beyzu
springen
/ der ihm doch nichts ver
wandt
ware / so eracht dann euer
C 7 Schul=

Seite S. 62🖼️
✾ 62 ✾
Schuldigkeit gegen den armen
Verstorbnen / welche in einer vn
vergeichlich
grössern noth schwe
ben
/ als diser Betler / vnd seynd
nach darzu euere eigne Bluts=
Verwandten
! Absonderlich ihr
hinterlassene Kinder ; erkennt
doch einmahl eure verpflichte
Schuldigkeit gegen denen ab
gelebten
Eltern .

Als auff ein Zeit der gebene
deyte
JEsus über das Galilæi
sche
Meer = Schiffte Meer schiffte
/ welches an
der Statt Tiberias ist / da folg
te
ihm ein absonderliche grosse
Menge Volck nach / dann sie
wurden gezogen von dem Ma
gnet
der grossen Wunderwerck
Christi ; wie nun diser mildrei
cheste
HErr hat gesehen ein so
gros=

Seite S. 63🖼️
✾ 63 ✾
grosse Versamblung / vnd ver
merckt
/ das die mehriste Schwach
miedt / vnd Hungrig seyn / hat
er fünff Gersten Brodt vnd zwey
Fisch genommen / vnd also mit
disem wintzigen Vorrath ein sol
che
Anzahl Gäst tractiert / das
über die fünff tausend Männer
ausser der Weiber / seynd gespeist
vnd gesättigt worden / vnd zwar
der Gestalten / daß sie nach zwölff
Körb voll mit übergebliebenen
Schärtzl geübriget ; Wunder /
über Wunder ! Wie solches die
Leuth gesehen / daß sie Christus
der HERR so wunderthätig
tractirt , haben sie Jhn kurtz
umb
zu einen König wollen
erwöhlen / vnd die Cron auff
setzen
: Volebant eum fa
cere
Regem .
Hertz=allerlieb
ste
Seite S. 64🖼️
✾ 64 ✾
ste
Kinder ! erwegt doch ein we
nig
/ woher ihr nach GOtt euer
täglich Brodt genommen ? wer
euch von der Wiegen auß ge
speist
? Wer ? Euere liebste El
tern
; vnd das hat sie offt gekost
den Schweiß ihres Angesichts /
vnd das haben sie zu wegen ge
bracht
mit stätten Sorgen / vnd
arbeitsamber Kummernuß ; wer
hat euch mehrer Schertzl geben /
als euer allerliebste Mutter / die
mit euch so manchesmahl durch
viel tausend Bussel in euer Kind
heit
geschertzt haben / vnd euch
so offt auff ihren Armen als auff
lebendigen Wiegen getragen ? so
gehet dann auch hin / vnd macht
euere allerliebste Elteren zu
nig
/ setzet ihnen die ewige Cron
auff / nach dero sie so starck seüff
tzen
Seite S. 65🖼️
✾ 65 ✾
tzen
vnd schreyen / erbarmt euch
über sie / vnd erlöst sie doch ein
mahl
auß den peynlichen Arrest
deß Fegfeuers ; es ist ja nicht
möglich / ihr müst nur in Tiger=
Arth
verwechslet seyn / daß ihr
derselben solt vergessen / dero
Gut vnd Blut ihr annoch besi
tzen
thut ; ich glaub das ehender
die Donau soll zuruck gehen / ich
glaub das ehender die Sonn soll
stillstehen / ich glaub / das ehen
der
die Kühe sollen fliegen / ich
glaub das ehender die Haasen
sollen kriegen / ich glaub das
ehender das Wasser dem Feuer
soll weichen / ich glaub das ehen
der
ein Schaaff mit dem Wolff
sich soll vergleichen / ich glaub
das ehender soll ein Lambl einen
Löwen jagen / ich glaub / das
ehender
Seite S. 66🖼️
✾ 66 ✾
ehender soll ein Omeiß die Welt=
Kugl
tragen ; ich glaub / das
ehender soll ein Mucken den Ad
ler
fressen / als daß ich glaub /
das ein Kind soll können seine
Elteren vergessen : ist nicht
glich
. Es ist nicht ein vnerhebliche
Frag / warumb Magdalena in
aller Frühe gleich nach Mitter
nacht
seye außgangen zu dem
Grab deß HErrn / wohin sie
doch nicht weit hatte / vnd dan
noch
wie sie dahin kommen / ex
orto
jam sole ,
ware die Son
nen
schon auffgangen ? ( e ) Es
spricht aber der Heilige Hiero
nymus
,
das die Sonn damahl
Früher auffgestanden als ander
mahl
/ warumb ? Sie dachte bey
ihr selbsten also / ich Sonn bin
ein

(e) Mom: in direct: fol. 77.

Seite S. 67🖼️
✾ 67 ✾
ein Sinnbild vnd von weiten
etwas verwandt GOTT dem
HErrn / als der sich ein Sonn
der Gerechtigkeit nennet / also
schickt es sich nicht / das jemand
mir soll vorkommen in Besue
chung
seines Grabs ; thuet das
die Sonn / was soll erst thun ein
Sohn ? der nicht ein Sinnbild /
sonder ein warhaffts Ebenbild
seines Vatters / ein Blut von
seiner Weesenheit / ein Portion
von sein Leben ist ; soll nicht diser
vor allen andern das Grab be
suchen
seiner Eltern / dort für
die selbige den mildhertzigsten
GOtt bitten : auß Kindlicher
Anmütigkeit einige Zäher ver
giessen
/ also deren lieben Elte
ren
gewünschte Erlösung befür
dern
?

Man
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✾ 68 ✾

Man liset von vielen / daß
die arme Seelen von ihnen mit
gereisch / oder nächtlichen Ge
töß
vnd Klopffen haben Hülff
verlangt : Der Gottseelige vnd
Seelige Joannes Fabritius von
Münster / hatte dise Gemein
schafft
mit den armen Seelen
im Fegfeuer / daß sie zum öfftern
bey Tag vnd Nacht an seiner
Thür anklopfften / vnd Hülff ver
langten
; Sag nur kein Kind /
das seine Verstorbne Elteren
nicht angeklopfft bey seiner Thür ;
es ist nicht war / haben sie nicht
anklopfft bey deiner Kammer=
Thür
/ so haben sie doch an
klopfft
bey deiner geheimmer
Thür deines Hertzens / dann
die Natur selbsten solches gibt ;
diese sagt / diese klagt / diese
nagt

Seite S. 69🖼️
✾ 69 ✾
nagt / diese schlagt / diese hackt /
diese jagt / diese plagt inner
lich
vnnd inniglich / ein Kind
soll lieben seine Eltern / ein Kind
soll helffen seinen Eltern / ein
Kind soll erlösen von allen Bösen
seine Eltern .

Spieglet euch alle an dem je
nigen
Kind / von deme geschrie
ben
wird / wie das einmahl bey
nächtlicher Weil in dem Traum
ein H . Bischoff gesehen hab /
was gestalten ein Knab eine
überauß schöne Frau vnd Ma
tronin
mit einen Guldenen An
gel
vnd silbern Schnierl auß ei
nen
tieffen See herauß gezogen ;
nach dem der H . Mann hier
über
erwacht / so führte er den
gehabten Traum etwas mehres
zu Gemüth / findt vnd ersinnt /
das

Seite S. 70🖼️
✾ 70 ✾
das was anders dardurch bedeut
werde ; erhebt sich dahero als
bald auff / vnd eylet nach der Kir
chen
: wie er auff den Freythoff
oder Kirch=Hoff kommen / wird
er ansichtig eines Knabens / der
auff einen Grab gesessen . Es fragt
gleich der H . Mann ; mein Kind /
was machest du da ? dem Knabe̅ als
ein weichhertzigen Kind giengen
die Augen über / gabe also mit
Seufftzer vntermengte Antwort /
es seye sein liebe Mutter allda be
graben
/ also bette er auß Kindli
cher
Schuldigkeit ein Vatter
vnser für sie ; worauß der from
me
Mann vngezweifflet abge
nommen
/ das die Mutter durch
dises Kinds=Gebett seye von dem
Fegfeuer erlöst worden / vnd das
der
Seite S. 71🖼️
✾ 71 ✾
der guldene Angel / den er in dem
Traum gesehen / seye das Gebett
gewest / mit deme der Knab sei
ne
Mutter auß der Tieffe gezo
gen
;

O Kinder ! Forderst ihr
Wienner Kinder ! Euer Jugend
verfaust verfault o. versaust gemeiniglich in ohn
nütziger
Zeit=Verschwendung /
vnd wässern euch die Zähn mehr
nach Lustbarkeiten / Spielen / He
tzen
/ vnd Fischen ; klaubt doch
euch auß so guldener Zeit / die
ihr wie das gemeine Gesindl
Brod
offt ohnachtsam verschimp
len
läst / nur ein eintziges Stündl
auß / vnd stellt ein gleichmässi
ges
Fischen an / wie obberührter
danckbahrer Sohn / damit ihr
euere betrangte Eltern von der
Tieffe /

Seite S. 72🖼️
✾ 72 ✾
Tieffe / de profundo lacu
herauß ziehet / vnnd erlöset .
Spieglet Euch Christliche Kin
der
/ an dem allgemeinen Chri
sten=Feind
dem Türcken ; ob
schon dessen Sitten den wil
den
Thieren ähnlicher seyn als
den Menschen / so neigt sie
doch der natürliche Antrib dar
zu
/ daß sie auch für ihre Ver
storbene
Freund betten : Dann
also schreibt Giraldus , daß die
hohe vnd vornehme Türcken zu
ihren Gräbern gemeiniglich
schöne Templ anbauen / welche
sie in ihrer Sprach Mosche nen
nen
/ vnnd zu derselben etliche
türckische Priester / so sie Jala
sum
vnd Patrocad heissen mit
ewigen Rendten vnd Einkom
men
stellen / damit sie für die
Ver=
Seite S. 73🖼️
✾ 73 ✾
Verstorbne Freund betten ; auch
so ein Bluts=Verwandter mit
Todt abgehet / theilen sie häuffi
ge
Allmosen nicht allein den ar
men
Leuthen / sonder auch allen
Thieren auß . Da wird man se
hen
/ das manche die Vögl in
einer grossen Menge zusammen
kauffen / vnd sie nachmahls in
freyen Lufft loß lassen ; etliche
zerbreßlen viel Laib Brodt / vnd
werffen es den Fischen ins Was
ser
; etliche schitten gantze Me
tzen
deß besten Getraidts zu den
Omeißhauffen ; bey Begräbnus
sen
/ neben andern verwunderli
chen
Cæremonien schreyen sie mit
lauter Stimm : Huon alla ,
Anon alla ,
so auff vnser Teut
sche
Sprach heist / GOtt er
D barm
Seite S. 74🖼️
✾ 74 ✾
barm
dich deß Verstorbe
nen
.

Thun dises nun die jenige die
in den Jrrthumb biß über die
Ohren sitzen / die in dem wahren
Glauben nicht erleucht / die sonst
von der Mutter=Schoß an zu al
ler
Tyranney vnd Grausambkeit
geneigt seyn / was solt dann erst
ihr Christliche Kinder thun / die
ihr von Christlichen Blut her
stammet
? die ihr so wohl von der
Natur / als von den Gebotten
GOttes gewohnt vnd gemahnet
werdt / den Eltern helffen / vnd
ihrer nicht zu vergessen ?

O Felsen=Zucht / vnd mit
harten Stahl gefüeterte Kinder
Hertzen
! ich weiß gar wohl / das
bey euch das Neue klingt / das
Alte

Seite S. 75🖼️
✾ 75 ✾
Alte scheppert ; nichts destowe
niger
werfft doch euere Gedan
cken
in das alte Testament / vnd
sehet allda / was Moyses gethan
in dem Königreich Egypten ; All
dort
solt er / auß Befelch deß Al
lerhöchsten
vnderschiedliche Pla
gen
dem Land aufflegen / wegen
deß hartnäckigen Pharao ; vnter
anderen / soll Moyses mit der
Ruthen in das Wasser schlagen /
vnd dasselbe in Blut verkehren /
thäte aber solches gar manierlich
vnd weißlich von sich schieben /
vnnd tragte es seinem Bruder
Aaron an / daß er wolle daß Was
ser
schlagen / vnnd es in Blut
verwenden ; Warumb hat solches
Moyses nicht gethan ? warumb ?
merckts wohl ihr Wienner Kin
der
/ darumb : vergest es aber
D 2 nim=
Seite S. 76🖼️
✾ 76 ✾
nimmer ; darumb : Moyses ware
noch ingedenck / wie daß ihn als
ein kleins Büberl in dem bimb
sen
Körbl das Wasser beym Le
ben
erhalten / also wolte er ge
gen
dem Wasser nicht schlagen /
damit er sich nicht vndanckbar
zeigte gegen dem jenigen / so ihm
beym Leben erhalten . Wer hat
euch Kinder nach GOtt das Le
ben
geben ? Vnsere Elteren /
sagt ihr ; Wer hat euch Kinder
nach GOtt beym Leben erhal
ten
? Vnsere Eltern / sagt ihr .
Wie ist es dann möglich / sag ich /
daß ihr solt gegen denselben vn
danckbar
seyn ? habt ihr dann nie
gehört von den jungen Stor
chen
? dise haben lange Hälß vnd
kurtzen Verstand / ja gar kein /
gleichwohl seynd sie gegen ihren
Eltern
Seite S. 77🖼️
✾ 77 ✾
Eltern also barmhertzig / daß
wann dieselbigen Altershalber
krafftloß vnd federloß werden / so
nehmen sie selbe auff ihren Ru
cken
/ vnd tragen sie in ein war
mes
Land ; Thut dergleichen
ihr hinterlassene Kinder / er
barmet
euch doch einmahl über
Euere Eltern / dieselbe ligen in
der Tieffe gantz krafftloß / kennen
sich mit eignen Kräfften nicht in
die Höhe erhöben / dann sie aus
ser
dem Stand der Verdiensten
seyn ; So gehet dann hin / weil
ihr doch den Namen eines Kinds /
vnd nicht eines Tigers wolt be
halten
/ erlöset sie durch ein oder
das andere gute Werck / vnnd
überführet sie also in das ewi
ge
Vatterland .

D 3 Speiß
Seite S. 78🖼️
✾ 78 ✾
Speiß Der verstorbnen Wienner .

DEr Wienner erloschne
Treu wolte einmahl nicht
ohne Frevel alle Bott
mässigkeit
weigern vnter dem
Kayser Friderich dem Dritten ;
Ja es triebe sie der vnbedacht
sambe
Eyffer so weit / daß sie
den Kayser sambt der Kayserin /
vnd jungen Printzen Maximi
lian
in der Wiennerischen Burg
also betrangt eingeschlossen / daß
so gar die nothwendige Victua
lien
für dise höchste Persohnen
mangleten / vnd solche auff kein
Weiß von den meyneidigen Vn
terthanen
zugelassen worden ; al
So

Seite S. 79🖼️
✾ 79 ✾
so zwar / das man sagt / es ha
be
einest der Printz Maximilian
der Kayserin / als seiner gnädig
sten
Frau Mutter kläglichst
Vortragen / wie daß er deß Ger
stens
essen so viel Zeit hero schon
satt vnd verdriessig seye / es gelu
ste
ihn also einmahl nach ein
Rebhüenel ; ( a ) Deme die Kay
serin
mit nassen Augen solle ge
antwort
haben / Fili utinam pa
nis
nos non deficiat !
mein
Kind / wolte GOtt / es thäte vns
das Brodt nicht manglen .

Der Wienner / die vor ein
Jahr in so grosser Anzahl von
vns das Valete genommen / vnd
ohngezweifflet in die Zeitliche
Flammen gestossen worden / seynd
noch viel vnd aber viel / welche
D 4 mit

(a) Cuspin: in Caesar:

Seite S. 80🖼️
✾ 80 ✾
mit weinenden Augen / betrang
ten
Hertzen / auffgehebten Hän
den
/ kläglicher Stimm / tief
fen
Seüfftzen auffschreyen : Uti
nam
panis nos non deficiat !

O GOTT wann wir
nur Brod hetten ! Verstehe
aber das Brod der Engel / das
Göttliche Manna deß Altars /
den verhilten Erlöser vnter den
Gestalten deß Brods in der H .
Meeß / oder andächtigen Com
munion
.

Wir werden angezündt wie
der Kalch im Ofen ; wir werden
zerschmettert wie das Eisen vn
ter
dem Hammer ; wir werden
gezogen / wie der Flachs durch
die Hächel ; wir werden geängsti
get
wie die Häring in der Ton
nen;

Seite S. 81🖼️
✾ 81 ✾
nen ; wir werden zerquetscht wie
die Trauben vnter der Preß ;
wir werden zerknirscht wie das
Pfeffer=Kernl in dem Mörser /
wir werden zermartert wie die
Lumpen in dem Stampff ; wir
werden zerschlagen wie das
Traydkörnl vnter dem Trieschl ;
wir werden gebachen wie das
Brod in dem Ofen ; wir werden
geleüttert wie das Gold in den
Kolben ; wir werden zerrieben
wie die Farb vnter dem Reib=
Stein
; wir leyden vnd leyden /
vnd vnser leyden kan gemindert /
ja kan gewendt werden / durch
das Brod der Engl / durch den
Kelch deß Priesters in der Hei
ligen
Meß / durch ein andächti
ge
Communion . O Filij homi
num
usquequò gravi corde !

D 5 O
Seite S. 82🖼️
✾ 82 ✾
O Menschen=Kinder / wie lang
tragt ihr dann ein hartes vnnd
eisenes Hertz ! Reicht vns doch
einmal ein Bissen Brod von der
Taffel Gottes . Bekandt ist zweif
fels
ohne / daß kein einiger auß
den Brüdern Joseph / also reich
lich
belohnt worden / als der je
nige
Beniamin / bey dem der Be
cher
ist gefunden worden ; deß
gleichen
auß allen armen Seelen
im Fegfeuer wird forderst die je
nige
mit der ewigen Glory be
reicht
/ bey der ein Becher ge
funden
wird ( verstehe den Kelch
deß Altars / im H . Meß=Opfer )
so ihr etwann die Anverwandte
mit=hertzig schencken vnd schi
cken
.

Denckwürdig ist jener Sprung /
den gethan hat der Mörder vnd
Böß=

Seite S. 83🖼️
✾ 83 ✾
Bößwicht / so an der Seyten
Christi verdienter massen ist ge
hangen
; da er nemblich in einen
Sprung von der Erden biß in
das Paradeiß gelangt / vnd zwar
ohne einiges Fegfeuer ; allermas
sen
ihme die Göttliche Parola
solches verheissen : hodie me
cum
eris in Paradiso ,
heut
wirst du bey mir seyn im
Paradeyß . Warumb das ein
solcher grosser Vbelthäter / wie di
ser
Mörder ware / soll ohnverzüg
lich
gar ohne Fegfeuer den gerade̅
Weeg in das Paradeyß kommen ?
hat doch der H . Augspurgische
Bischoff Udalricus müssen in
das Fegfeuer / auß Ursachen / weil
er nur sein Vättern zu sein Nach
kümbling
promovirt ; hat doch
D 6 der
Seite S. 84🖼️
✾ 84 ✾
der jenige Geistliche auß dem Or
den
deß H . Francisci müssen ins
Fegfeuer / weil er nur ein kleines
Stümpffl Kertzen ohne noth hat
brennen lassen ; hat doch jener Re
ligios
von deme Humbertus
schreibt / müssen ohnermeßliche
Peyn außstehen in dem Fegfeuer /
weil er nur ein altes paar Pan
toffel
ohne wissen seiner Obrig
keit
verborgen ; vnd warumb soll
ein solcher Mörder vnd offentli
cher
Bößwicht ( dessen Leben mit
lauter Schand=Thaten / vnnd
Mord=Thaten befleckt ) Frey vnd
Freudig passieren ohne Fegfeuer
ins Paradeyß ? Vernimme die
Ursach welche beyfügt der Hei
lige
Hugo . ( b ) Sacratissi
mo
Sanguine Latro ille asper
sus

(b) Libr. de animar. regres.

Seite S. 85🖼️
✾ 85 ✾
sus
est , ideo in ictu oculi Pa
radisum
intravit
: Wie der Hey
land
JEsus / gecreutziget wor
den
/ vnd Longinus dessen Sei
ten
mit einer scharpffen Lantzen
eröffnet / da ist das heiligste Blut /
sambt dem Wasser so häuffig
herauß gesprungen / das mit dem
selben der Mörder / so neben dem
Heyland gehangen / ist ange
spritzt
worden ; vnd dises ist die
Ursach / daß er so behend gar oh
ne
Fegfeuer in Himmel kom
men
/ vnd seelig worden .

Jetzt setz dich mein Wienner
nider / wann doch deine Knye
sich nicht biegen wollen / ( welche
zuweil haicklicher seynd als ein
Biscotten=Täig ) setz dich nider /
vnd formier in dein stillen Ge
dancken
ein gleichförmigs Argu
ment;

Seite S. 86🖼️
✾ 86 ✾
ment ; hat das Blut Christi den
sündhafften Mörder so geschwind
geführt in den Himmel / wie viel
ehender wird das selbe allerhöch
ste
Blut / in ein H . Meß=Opffer
helffen den armen Seelen auß
dem Fegfeuer / vnd dieselbige be
fürdern
zu der ewigen Cron / al
lermassen
sie ohne das in Stand
der Gnaden seyn ? ( c )

Zuverwundern ist / was Beda
( d ) schreibt von einer grossen
Schlacht vnd Niderlag / in de
ro
auch gebliben König Elbori
nus
.
Vnter andern so alldort
auff dem Platz lagen / ware auch
einer / der ware sehr verwund /
jedoch durch eignen Fleiß seine
Wunden der gestalten verbun
den
/ daß er sich mitten vnter den
Todten (c) Bonherb. 439. (d) Hist. Angl. c. 39.

Seite S. 87🖼️
✾ 87 ✾
Todten auffgemacht ; so bald aber
diß der obsigende König Ethe
redus
ersehen / hat er alsobal
den
beschlossen / disen tapffern
Soldaten in seinen Diensten zu
brauchen : befilcht demnach / man
solle möglichsten Fleiß ankehren /
disen Menschen vollkommentlich
zu curiren . Nachdem er nun
zu gewünschter Gesundheit ge
langt
/ schaffte König Ethere
dus
,
daß er mit Stricken ge
bunden
werde / auß forchtsamer
Muthmassung / er möchte etwann
außreissen ; Es geschicht / die
hierzu Verordnete binden ihme
alsobald die Händ mit ein har
ten
Strick / sihe aber Wunder !
der selbe Strick ohne einige
Hand=Anlegung reist von freyen
Stucken mitten von einander ;
drauff
Seite S. 88🖼️
✾ 88 ✾
drauff laufft der Befelch : man
solle ihn wohl mit eysenen Ket
ten
verwahren : aber vmb sonst ;
auch dise seynd mit höchster Ver
wunderung
freymütig zu Trim
mern
gangen ; letztlich fässelt man
ihn an starcke Fuß=Eysen / so
aber gleichmässig durch vnsicht
bahren
Gewalt voneinander ge
fallen
? Es wuste niemand / wie /
warumb / wordurch solches gesche
hen
? biß letztlich König Ethere
dus
in Erfahrnuß kommen / das
diser Mensch ein Bruder in dem
Kloster hätte / welcher täglich
für disen ein H . Meß gelesen / in
der Meynung als seye er auch
neben andern in der Schlacht
vmb kommen ; Durch dise wun
derliche
Geschicht / ist damah
len
( schreibt Beda ) ein abson
derli=
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✾ 89 ✾
derliche
Andacht gewachsen zu
den armen Verstorbnen Christ
glaubigen
in gantz Engeland /
welche also reiff vnd weißlich ar
gumentierten
/ wann ein H . Meß
so vil gewürckt an einem Leib / vnd
denselben von allen Banden ent
löst
/ was wird nicht erst ein H .
Meß für Würckung haben an ei
ner
Seel im Fegfeuer ? Gewiß
ist es / das nichts also verhülfflich
ist den armen verhafften Geistern
in jener Welt / als das höchste
Altar=Geheimbnuß : Sacræ Mis
oblatione nulla major ,

spricht Laurentius Justinia
nus
: ( e ) Deßwegen ist kein
Wunder / das die arme Seelen
zum öfftern erscheinen / mit tau
sendmahl
wiederholten Bitten
ein

(e) Serm. de Corp. Christ.

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✾ 90 ✾
ein H . Meß verlangen ; Wie
dann von dem H . Bernardo sein
Verstorbne Schwester ( so schon
lang die schmertzliche Qualen deß
Fegfeuers außgestanden ) inniglich
gebetten vmb drey H . Messen /
durch welche sie auch nachge
hends
ist erlöst worden . ( f )

Jenes Weib in dem Evange
lio
gedunckt mich schier ein hal
be
Sibilla gewesen seyn / da sie
der HErr JEsus also angeredt /
non est bonum , &c . Es ist nicht
gut / das man den Kindern das
Brodt nehme / vnnd werffe es
für die Hund ; Ja HErr / ja /
ja / die Hündl essen auch die
Brosamen / welche von ihres
HErn Tisch fallen . Wann sie die
arme Seelen hier durch verstan
den

(f) Moming. in Quadr.

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✾ 91 ✾
den hatte / wie wohl hätte sie ge
redt
? dann dise in der Warheit
arme Hündl seynd / arme Betl=
Hündl
/ wünschen aber nichts
mehrs / als das Brodt von vn
sers
HErrn = Taffel / nemblich das
allerheiligste Altar=Geheimbnuß /
entweders in ein H . Meß=Opffer
der andächtigen Communion .

Die Natur spielt in vielen
Sachen so wunderbarlich / daß
wir vns offt darein nicht können
finden / noch weniger ergrün
den
. Vnder andern ist dises auch
nicht das geringste ; Zu wissen ( da
ein Mensch in ein grossen Teicht
oder See ertruncken ) wo dersel
be
lige ? ist nichts rathsambers /
als daß man ein Brod ins Was
ser
werffe / vnd wohl in obacht
nehme / wohin dasselbe schwim̅e /
vnd

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✾ 92 ✾
vnd wo es still stehe / alldort soll
man suchen / wird man ohnfelbar
den Todten finde̅ : hat also ein ver
borgne
Freundschafft das Brod
mit den Todten ; Aber weit ein
grössere Freundschafft hat das
Brod der Englen / ein H . Ho
stia
mit den armen Verstorbnen /
vnd Christglaubigen Seelen im
Fegfeuer ; wie es geoffenbahrt
worden der H . Gertrudi / als sie
für die Abgestorbene commu
nicirt
. Ja als der H . Lucas Tu
tensis
auff ein Zeit eyfferig ver
langte
/ ob dann ein Heiliges
Meß=Opffer den verhafften Gei
stern
im Fegfeuer ersprießlich
seye ? erscheinet ihme alsbald ein
Seel auß disen Tormenten / vnd
sagte dise denckwürdige Wort /
Wann das Ambt der Hei
ligen
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✾ 93 ✾
ligen
Meeß gehalten wird /
so empfinden viel auß Uns
keinen Schmertzen : ja es
ist vns erlaubt / dazumal
an die jenige Oerther zu
gehen
/ wo vnsere Leiber ru
hen
/ vnd dafern wir diesel
bige
mit ein Weichbrunn
besprengter finden / schöpf
fen
wir darob ein solche
Ergetzlichkeit / als wären
wir schon halben Theil im
Paradeyß . ( g )

Der Prophet Elias hat durch
ein Wunderwerck mit ein bissel
Mehl / so man zwischen zweyen
Fin=

(g) Bonherb. fol: 493.

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✾ 94 ✾
Fingern halten kan / die entsetz
liche
Bitterkeit in dem Kraut=
Topff
gestillt ; Das Fegfeuer ist
nicht ohngleich ein solchen Eli
seischen
Topff ; allermassen es
voller Bitterkeit . Du hast es ge
kost
Römischer Pabst Innocenti
der dritte
/ in dem du nachgehends
von der H . Ludgarde bist erlöst
worden ; sag her / wie ist das Feg
feur
? bitter / bitter / bit
ter
; Du hast es gekost Römi
scher
Kayser Ludovice , der du
nachmals von deinem Sohn / nach
langwieriger Zeit bist erlöst wor
den
; sag her wie ist das Feg
feuer
? bitter / bitter / bit
ter
; Du hast es gekost grosser
König in Spanien Sanci , der
du hernach von deiner hinterlas
senen
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✾ 95 ✾
senen
Frau Gemahlin Gauda
bist erlöst worden / sag her / wie
ist das Fegfeur ? bitter / bit
ter
/ bitter ; Du Königliche
Mutter der H . Elisabeth in Un
garn
/ du Cardinal Balduine ,
du Bischoff Udalrice , du Reli
gios
Climace ,
ihr habt es alle
kost / wie ist dann das Fegfeuer ?
bitter / O bitter / O bit
ter
!

Demnach kombt her ihr Wien
ner
/ vnd trett in die Fußstapffen
deß Propheten Elisæi ; diser hat
mit einem Bissel weissen Mehls
alle Bitterkeit abgewendt in den
Kraut=Topff / cessavit omnis
amaritudo ;
also thut auch ihr
nicht zwar mit ein weissen Mehl /
sonder was auß ein weissen Mehl
wird /

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✾ 96 ✾
wird / verstehe ein H . Hostia
deß Altars in der Geheimnuß
vollen
Meeß / oder in einer in
brünstigen
Communion , die
Bitterkeit abwenden / so da auß
stehen
die arme Seelen in den
finstern Kercker . Jst doch barm
hertzig
gewest der Habacuc ge
gen
den hungerigen Propheten
Daniel ; ist doch barmhertzig ge
west
die Wittib gegen den hun
gerigen
Propheten Elia ; ist doch
barmhertzig gewest das Wild
stuck
gegen dem hungerigen Ægi
dium
;
ist doch barmhertzig ge
west
ein Hund gegen dem hun
gerigen
Rochum ; ist doch barm
hertzig
gewest ein Raab gegen
dem hungerigen Eremiten Pau
lum
, &c .
So werd ja ihr Wien
ner
nit ohnbarmhertziger seyn ge
gen
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✾ 97 ✾
gen
den armen verlassenen See
len
/ welche nach nichts anderst
seufftzen / als nach dem Brod deß
Lebens .

Es solle ( wie die Poëten
phantasiren ) der Prometheus
vom Ehrgeitz angefochten / auch
haben den höchsten GOtt wol
len
nacharthen / vnd einem Men
schen
wollen auß Erd erschaf
fen
; zu disem End er ein zimbli
chen
Laimb=Klotzen in die Händ
genom̅en / vnd damit der Mensch
desto waichhertziger möge seyn /
hat er an statt deß Wassers lau
ter
Zäher genommen / darmit
den Laimb angemacht / vnd also
denselben Leib auff solche Weiß
zur Vollkommenheit gebracht ;
Gut wäre es das dises Gedichts=
Promethei
Waichhertzigkeit
E bey

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✾ 98 ✾
bey den Menschen zufinden wäre /
forderst bey den Wiennern / so
wurden sie allzeit barmhertzig / ab
sonderlich
diß Jahr seyn gegen
den armen Seelen im Fegfeuer .

Schaut meine Wienner ; der
sterblichen Wampen / dem fueter=
girigen
Schmer=Bauch / disem
üppigen Mertzen=Kalb / disem
verkleydten Sautrog / dem Leib
schlagt man nichts ab / es kost
was es woll ; Alle Elementen
müssen spendieren : ober der Er
den
die Vögl / auff der Erden die
Thier / in der Erden die Wurtzel
müssen disem auß Erd gebabten
Dalcken zu Diensten seyn / es kost
was es wolle ; Pfeffer von Ca
lecuth
,
Jmber von Failon , Na
gele
von Moluka , Bisem von
Bego , Zucker auß Candia , Am
bra

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✾ 99 ✾
bra auß Presila / muß er schle
cken
vnd schmecken / es kost was
es wolle ; eigne Land=Speisen
seynd nimmer im Brauch ; der
Wein in Teutschen Grund ge
hört
für ein Bauren=Hochzeit ;
Fisch auß süssen Flüssen machen
ein Grausen : bald wird man fra
gen
ob der jenige Fisch noch lebe
in deme der Jonas losiert ; bald
wird man nach Jndianischen
Bachsteltzen auff der Post schrei
ben
; bald wird die Schlecker
Sucht
also wachsen / das man
auß Zeißl=Hirn wird Bafessen
bachen ; bald wird man die Spän
sey
mit Zucker mesten / es kost
was es woll ; die durch Teutsche
Händ gewürckte Tücher seynd
nur für die Münichs=Kutten /
taugen nur für Roß=Decken / es
E 2 muß
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✾ 100 ✾
muß Seiden seyn auß Cappado
cia
,
es muß Taffet seyn auß Per
sia
,
es muß Sammet seynd auß
Hiriania ; man wird bald von
Spinnen=Geweb Mantel vnd
Mantilien machen nur wegen
der Rarität ; man wird bald dem
Teutschen Zwirn einen fremb
den
außländischen Namen schöpf
fen
; es werden bald die Schnei
der
ihre Nadlen müssen in Asia
spitzen lassen / es kost was es woll ;
ein Andreoviz , ein Jovanviz ,
ein Sergeiviz , auß Moscau vnd
Kremelin kan kaum genug Beltz
vnd Zobl schicke̅ / die teutsche Haut
damit zuhaicklen : es ist bald da
hin
kom̅en / das Mader=Fueter zu
schlecht ist einer zerlumbten Stu
ben=Reiberin
/ es kost was es wol
le
; den Leib disen Limmel cari
siert
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✾ 101 ✾
siert
man / als kam er her von dem
Hirn=Schweiß deß grossen Gott
Jupiter / vnd der Seelen vergist
man so offt ; der Seelen im Feg
feuer
absonderlich / da doch die
selbige
Speiß vnd Kleyder ohne
vielen Unkosten verlangen . Was
kost es dich dann / wann du nach
einer reuvoller Beicht andächtig
communicierest / vnd schenckest
ihm disem armen Tropffen das
Göttliche Manna / das Brodt
der Engel ? was kost es dich dann /
wann du ihm ein Hochzeitliches
Kleyd machest / welches nicht
von Sammet oder Seiden / son
der
von Lambl=Fell ist / verstehe
das wahre Lamb = GOttes / wel
ches
hinweck nimbt / die Sünd
der Welt ? kanst dem Leib / disem
Laimbsack / so viel hundert Gul
E 3 den
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✾ 102 ✾
den
anwenden / vnd solst der Seel
einen halben Gulden waigern /
welchen man Allmossen weiß gibt
dem Priester für ein H . Meß .
Will nicht hoffen ihr Wienner /
daß ihr in dem Fall ein Tiger=
Arth
werdt anziechen / sondern
vielmehr glauben / das ihr wer
det
nachfolgen dem Engl / wel
cher
den Petrum auß der Ge
fängnuß
geholffen ; nachfolgen
dem Engel welcher dem Tobiæ
das Gesicht erstattet ; nachfolgen
dem Engl / welcher der Agar den
Brunn gezeiget ; nachfolgen dem
Engl / welcher den Jsaac beym
Leben errett ; nachfolgen dem
Engl / welcher den Loth auß
Sodoma geführet ; nachfolgen
dem Engl / welcher die drey from
me
Frauen beym Grab getröst ;
aller=
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✾ 103 ✾
allermassen ihr so gute Mittl / so
gute Zeit / so gute Gelegenheit
habt ihnen zuhelffen .

Jn Scithia zeigt sich ein vn
ermäßliche
tieffe Grueben / wa
rinnen
ein grosse Anzahl viel
kostbahrer Edlgstein ligt / vnd
weil die Jnnwohner desselben
Lands auff keine Weiß sich in ge
dachten
Abgrund zusteigen traut
en
/ also haben sie ein guten Fund= Fund
ersonnen / ohne grosse Mühe
die kostbahre Kleinodien herauß
zu heben . Sie nehmen ein Lambl /
vnd nach dem solches in den be
sten
Safft gebratten / werffen
sie es in gedachte entsetzliche
Tieffe / also das die kostbahre
Stein ringsherumb anbicken /
vnd weil nun obberührte Land
schafft
voll mit Adlern welche
E 4 auff

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✾ 104 ✾
auff allen Raub gierig lauschen /
so bald solche den Geruch deß
Lambls spühren / fliegen sie in gros
ser
Schnelle hinab / fassen es mit
ihren gewaffneten Klauen / vnd
Tragens in die Höhe ; Erhalten
also die Jnnwohner auff ein art
liche
Weiß die schöne Edlgstein .

Wer will es widersprechen /
daß das Fegfeuer nicht seye eine
solche grosse / tieffe / weite / fin
stere
/ peynliche / vnd abscheuliche
Gruben / in welcher die arme
Seelen / wie die kostbahre Edl
gestein
ligen / die der Herr JE
sus
mit seinen theuern Blut er
kaufft
; keinen aber auß vns
scheint es möglich / in dise Tieffe
zusteigen / vnd solche ohnschätz
liche
Edlgestein herauß zu hollen ;
bleibt demnach das eintzige Mitl /
ebner=

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✾ 105 ✾
ebnermassen ein Lämbl hinunder
zu werffen / woran sich dise Edl
gestein
halten / nemblich das
wahre Lamb GOttes / welches
hinweck nimbt die Sünd der
Welt ; vnd dises in ein H . Meß /
oder andächtigen Communion /
worüber ohnverweilt die Adler
( verstehe die schnell=flügende En
gel
) vermutlich ihre in der Welt
geweste Schutz=Engel / sich hin
unter
lassen / vnd disen Schatz /
dise Seel hinauff tragen in die
allsättliche Glory deß Himmels .
Deßwegen die H . Monica / dise
grosse Mutter deß H . Augustini /
( a ) diser Spiegl aller Wittiben /
dise Fackl aller Heiligkeit in ih
ren
letzten Sterb=Stündl nicht
sorgfältig gewest / vmb ein präch
E 5 tige

(a) Lib: 9. Conf:

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✾ 106 ✾
tige
Begräbnuß / nicht Anstalt
begehrt vmb stattliche Erd=Be
stättung
ihres Leibs / sonder al
lein
inniglich gebetten / man wol
doch ihrer nicht vergessen in den
H . Messen / dann ihr gar wohl
bewust ware / daß man die ge
übrigte
Schulden der Seelen
nicht füglicher zahlen könne in
jener Welt als mit der schnee
weissen
vnd runden Müntz deß
Altars . Jhr ware nur gar wohl
bekandt / daß die matte Geister
in jenen Feur=Ofen / nichts meh
rers
ergetze / als das schnee=weisse
Krafft=Zeltel deß Altars ; tali
bus
enim Hostijs promeretur
DEUS .
( b )

Destwegen ihr meine Wienner /
mit disem helfft doch vmb Got
tes

(b) Ad Hebræos.

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✾ 107 ✾
tes Willen den armen Seelen /
dann durch dise Hilff erfreuet ihr
GOtt Vatter im Himmel :
helfft vmb Gottes Willen / dann
durch dise Hilff führt ihr dem
Sohn GOttes zu ein Lämbl /
welches er mit sein Blut gewa
schen
; helfft vmb GOttes Wil
len
/ dann durch dise Hilff bringt
ihr dem Heiligen Geist seine
vermählte Braut zu dem ewigen
Hochzeit=Mahl : helfft vmb der
Mutter Gottes Willen / dann
durch dise Hilff erfüllt ihr das
mütterliche Hertz mit einer neuen
Süssigkeit ; helfft vmb aller Hei
ligen
Engel Willen / dann durch
dise Hilff verursacht ihr vnter
den lieben Engeln ein groß Ju
bel
; helfft vmb euer Seelen See
E 6 lig=
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✾ 108 ✾
ligkeit
Willen / dann es fast nicht
möglich / daß jemand könne ver
lohren
werden / der mit seiner
Hilff nur ein Seel erlöset : aller
massen
sie nachgehends ohnauff
hörlich
für ihren Gutthäter bit
tet
.

Hülff Der verstorbnen Wienner .

MEin Wienn / ob du zwar
anjetzo wider Hönig schle
ckest
mit dem Samson /
so kanst du es nicht laugnen / daß
nicht auch manche Trangsal dir
über den Halß kommen / abson
derlich
Anno 1529 . den 26 .
Septemb :
Dises Jahrs ist Soli
mannus
,
dises Blutgirige Chri
sten=Tiger
mit dreymahl hun
dert

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✾ 109 ✾
dert tausend Mann vor die
Wienn=Statt geruckt / selbige
mit gesambter Furi auf die zwain
tzig
mahl durch grosse Kriegs=
Stuck
beschossen / vnd gefährliche
Minnen dergestalten vntergra
ben
/ daß mans schier für verloh
ren
gehalten ; Jst doch endlich
durch die treubeständigste Christ
liche
Soldaten / forderst aber
durch Göttliche Beyhülff abge
trieben
worden / vnd hat Soli
man
die Belägerung auffgehebt
den 15 . October ; die vmblie
gende
Landschafft aber dermas
sen
durch Feuer vnd Schwerdt
verhert / daß man auff etliche
Meil nicht einen fruchtbahren
Baum / wil geschweigen ein gan
tzes
Hauß angetroffen : alles Elend
aber hat überwogen diß / daß er
E 7 nemb=
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✾ 110 ✾
nemblich auff die sechzig tausend
Christen gefangen genommen /
vnd solche an Band vnd Ketten
angeschmidter elend nach sich ge
schläipfft
. Damahl ist niemand
zu Wienn / vnd vmb Wienn ge
west
/ deme nicht die Augen über
gangen
/ der nicht das gröste Mit
leyden
getragen / gegen disen ar
men
Gefangnen .

O Wienn ! du hast auff ein
neues sattsambe Ursach ein Mit
leyden
zu schöpffen / wann du
noch daran denckest / was Elend
dich vor ein Jahr überfallen / da
villeicht auch der deinige̅ nicht vil
weniger gefange̅ / vnd in de̅ finstern
Kercker deß Fegfeuers verschlos
sen
worden ; Empfindest dann
nicht in Erwegung dessen einige
Wäich=

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✾ 111 ✾
Wäichmütigkeit in deinen Her
tzen
? soll es dann auch seyn kön
nen
/ daß du nicht nach Mittel
sinnest / wardurch dise gefangne
Christglaubige könten erlöst wer
den
? siehe / ich gibe dir ein heyl
sames
Mittel an die Hand / diß
ist das H . Gebett . Vielen ist
das Gebett gewest ein scharpffer
Sabl / mit welchen sie ihrer
Feind Hochmuth haben gestutzt :
Diser Warheit vnterschreibt sich
Carolus Quintus . Vielen ist
das Gebett gewest ein Laitter /
an dero sie gegen Himmel gesti
gen
/ von dannen zum öfftern
den Trost ihres Hertzens abge
holt
; diser Aussag stimbt bey die
H . Theresia . Vielen ist das Ge
bett
gewest ein starcker Schild
vnd Armbbrust / mit dem sie sich
vor
Seite S. 112🖼️
✾ 112 ✾
vor dem Anlauff deß höllischen
Sathans gewaffnet : das hat er
fahren
der H . Bernardus . Vielen
ist das Gebett gewest ein embsi
ger
Procurator , welcher ihnen
wunderbarlich das tägliche Brod
heimb geschafft : solches vns be
kent
der H . Philippus Benitius .
Aber den armen Seelen im Feg
feuer
ist das Gebett ein Schlüßl /
welcher ihnen den peylichen peynlich Ker
cker
deß Fegfeuers eröffnet / vnd
sie in die Himmlische Freyheit
überlasset .

Sylvester de Petra Sancta
vnter andern Wunder=Geschich
ten
der Allmacht GOttes ver
zeichnet
auch dises / das in Jta
lien
zu Messana ein Jungfrau=
Kloster
seye / S . Mariæ â Scala
genant / alldort werde ein kleines
Trü=

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✾ 113 ✾
Trücherl voll der Heylthumber
gezeigt / welches jederzeit zu ge
schlossen
/ jedoch ohne einiges
Geschloß noch Rigl / vnd kan
man das selbe mit keiner Stärck
noch Gewalt eröffnen ; so man
aber vor demselben mit gebognen
Knyen nur etwas weniges bet
tet
/ siehe Wunder ! als dann last
sich dises Trüchlein auch leicht
mit dem kleinisten Finger auff
sperren
: dises Wunder ( schreibt
obangezogener glaubwürdigster
Author ) wehret noch auff den
heuntigen Tag .

Scheint demnach Wahr / das
ein Gebett kan eröffnen / was
verschlossen . Wer ist aber mehr
verschlossen als die arme betrang
te
Seelen in dem Fegfeuer ? was
wolt die Keichen seyn / in dero
der

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✾ 114 ✾
der Egyptische Joseph gelegen !
was wolt die Gefängnuß seyn /
in welcher Richardus König in
Engeland gelegen ? was wolt der
Thurn seyn / in deme die Köni
gin
Maria Stuarta zwantzig
Jahr gelegen ? was wolt die Kei
chen
Latomiæ seyn / in dero Her
gesistratus
wegen Abscheulich
keit
des Orths / ihme selbst den
Fuß abgeschnitten / denselben
sambt dem Eysen in der Gefäng
nuß
gelassen / vnd sich in die
Flucht begeben ? was wolten alle
dise Peyn seyn gege̅ dem peynliche̅
Kercker der armen Seelen ? vnd
du mitleydender Christ kanst so
leicht dieselbe eröffnen / mit dem
Gebett . Siehe / der Römische
Pabst Benedictus ist nach seinen
Todt die erste Nacht erschienen
einen
Seite S. 115🖼️
✾ 115 ✾
einem Bischoff / denselben vmb
die Wunden Christi ersucht / er
wolle doch vnverzüglich hingehen
zu dem H . Abbt Odilo , vnd ih
me
andeuten seinen feyrigen Ar
rest
in jener Welt / welcher vn
gezweifflet
kön̅e abgewendt wer
den
durch sein Gebett ; der H .
Odilo ( als welcher seyn soll
der Stiffter= Stiffter vnd Urheber des
Gedächtnuß=Fest aller Verstor
benen
Christglaubigen / so nach
Aller=Heiligen Tag gehalten
wird ) diser H . Abbt falt eylends
nider auff seine Knye / ziecht
auch durch offentliches Decret
die andere vntergebene Klöster
zu dem allgemeinen Gebett ; bald
hernach ist Edlberto einem from
men
Religiosen auß disen geof
fenbahret
worden / Pabst Bene
dictus
Seite S. 116🖼️
✾ 116 ✾
dictus
seye auß dem Fegfeuer er
löst
durch das Gebett deß Heil .
Odilonis . Sancta ergò , & sa
lubris
est cogitatio , pro de
functis
exorare ut â peccatis
solvantur .
( c )

Siehe mein Wienner / wie
dir Gott ein guldenen Schlüssel
angehenckt / mit dem du so leicht
dise geängstigte Geister erlösen
kanst ! sie verlangen nicht von
dir etwann ein drey Jährige Fa
sten
in Wasser vnd Brodt / wie
gethan hat ein büssende Alexan
drini
sche
Thais ; dann es ist all
bekant
dein blöder Magen / wel
chen
der Quatember also gfallt /
wie eine kalte Kuchel der Mu
cken
. Sie schreyen zu dir nicht /
daß du mit Conrado Pœniten
te

(c) Mach. lib. 2. c. 12.

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✾ 117 ✾
te nacher Jerusalem oder andere
H . Oerther Wallfahrten sollest ;
dann man weiß schon / das deine
haickliche Füß die Blatter scheu
hen
/ wie der Belsebub den Weyh
brunn
; Sie begehren nicht von
dir das du wie ein Pachomius ,
oder Paphnutius sollest dein
Leib mit Ketten vnd Disciplinen
martern ; dann es ist ohne das
dein haickliches Fell im Geschrey /
das ihm ein Mucken=stillet für
ein Lantzen vorkommet ; sonder
sie bitten / sie schreyen / sie su
chen
/ sie verlangen nur ein Ge
bett
/ ein Miserere , ein depro
fundis
de profundis ,
ein Vatter vnser /
ein Ave Maria , &c . oder wanns
gar viel ist / ein H . Rosenkrantz .

Der reiche Schlemmer in dem
Evangelio / nach dem er vom
stäten

Seite S. 118🖼️
✾ 118 ✾
stäten Panquetiren zum Tor
menti
ren
/ nach dem er vom stä
ten
Feyer=Tag ins Feuer ; nach
dem er von stäter Taffel zum
Teuffel kommen / vnd in der Höll
begraben worden / alsdann hat
er seine Augen auffgehebt / vnd
wie er den Lazarum erblickt hat
in der Freuden=Schoß Abra
ham
/ streckte er gleich sein an
gefeuerte
Zung auß dem Maul /
vnd schreyt nur vmb ein einigen
Tropffen Wasser : Vatter Abra
ham
nur ein einigen Tropffen ;
halts Maul du Luder=Wampen /
in der Höll ist alles Gebett ohn
kräfftig
;

Aber meine Mitleydende
Wienner / jetzt da ihr noch auff
Erden wandlet / da ihr noch im
Stand der Verdiensten lebet /
könt

Seite S. 119🖼️
✾ 119 ✾
könt gar leicht ein Tropffen von
GOtt erhalten ; sehet / alle See
len
in dem Fegfeuer seynd in
der Warheit arme Tropffen /
in äusserster Noth / darumb arme
Tropffen / ohne einige Hülff /
vnd darumb arme Tropffen /
gantz verlassen / vnd darumb arme
Tropffen : so erhebt dann euer
Stimm zu GOtt / bittend den
mildhertzigsten JESU umb sei
nes
bittern Leyden halber / er
wolle euch einen oder den an
dern
armen Tropffen auß dem
Fegfeuer schencken : der allergü
tigste
GOtt wird es nicht wäi
gern
/ petite & accipietis .

Nicht gar zu fürwitzig hat jener
durchsucht alle Buchstaben in dem
Wörtl Hoff / sprechend der er
ste

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✾ 120 ✾
ste als nemblich / das H . seye
eygentlich kein Buchstab zu be
nambsen
/ der nur ein Aspira
tion
:
der andere benentlich das
O . seye gleichförmig für keinen
Buchstaben zu erkennen / sondern
ein Nulla ; bleibe demnach übrig
das einige F . vnd diser bedeute
Frötterey : als wolt er sagen / zu
Hoff seyen ehender Dörner als
Körner anzutreffen ; Seye deme
wie ihm wolle / nicht anderst hat
es doch erfahren / der fromme
vnnd vollkom̅ne Prophet Jere
mias
/ welcher durch falsches An
geben
etlicher Hoff=Juncker für
ein ohnwarhafften Maulmacher
vnd Zungen Tröscher gehalten /
destwegen mit Gutheissung deß
Königs in ein tieffe Gruben ge
las=
Seite S. 121🖼️
✾ 121 ✾
lassen
worden / daß er elender
weiß biß an den Halß in Letten
vnd Koth steckte : es wäre der gul
dene
Mann vor Hunger gestor
ben
/ dafern nicht ein Mohr wäre
gewest mit Nahmen Abdeme
lech
,
welcher durch weiseste An
stalt
/ mit Erlaubnuß vnd Bey
hülff
anderer / den Jeremiam
mit einem Strick herauß gezogen .
Leyder wie vil werden etwann
auß den jenigen / so in jüngst
verwichner
Pest=Zeit das Leben
gelassen / biß an den Hals elend
sitzen vnd schwitzen in der tieffen
Gruben deß Fegfeuers ! soll dann
nicht auch ein Mohr anzutref
fen
seyn / der sich ihrer erbar
met
? Hat man doch ein gantzes
Jahr her fast nichts wahrge
nommen
/ als schwartze Trauer=
F Klei=
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✾ 122 ✾
Kleider
; so gehet dann hin ihr
Befreundte vnd Erben / die ihr
die Schwärtze / wo nicht im Ge
sicht
/ wenigst in Kleidern tra
get
/ gehet hin / lasset gleichmäs
sig
hinunder in dise tieffe Gruben
ein Strick / verstehe ein H . Ro
sen=Krantz
/ ein H . Psalter / vnd
zieht also dise arme betrangte
Tropffen herauß ;

Von dem weltkündigen Mah
ler
Zeuxe wird geschrieben / wie
das selbiger ein gantzes Hauß
voll der Kunstreichesten Gemähl
vnd Bilder gehabt habe / vnd
wuste niemands vnderscheyden /
welches das andere in Kunst vnd
Werth übersteige ? Vornehme
Stands=Persohnen auch in klu
gister
Ansprach könten nicht auß
dem Zeuxe erzwingen / welches
Bild

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✾ 123 ✾
Bild er zum Höchsten schätze /
was geschicht aber ; Laus , Fraus ,
muliebria sunto ,
Arg vnnd
Karg seynd die zwey beste
Räder an der Weiber ihren
Triumph=Wagen : Als einmahl
erst erwehnter Künstler auff dem
Marckt sambt andern in Zeit
vnd Zeitungen vertreiben sich
auff hielte / laufft ein Mensch
gantz pfnausendt zu ihm / schlagt
die Händ zusammen / vnd mit
gedichten Arglist deut sie ihm an /
wie das sein Hauß über vnd über
brenne : worauff er mit lauter
Stimm geschryen vnd gebetten /
Ach weh ! Servate mihi Adoni
dem
,
laufft vnd laufft / vnd ret
tet
mir auffs wenigst das
Bild Adonidis : Ringratio ,
F 2 hab
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✾ 124 ✾
hab Danck / sagt das Mensch /
mein Herr Zeuxes , last euch
hierüber nicht graue Haar wach
sen
/ es brennt nicht euer Be
hausung
/ aber nun bin ich in Er
fahrnuß
kommen / das die schöne
Bildnuß Adonidis müsse in
Kostbarkeit alle andere übertref
fen
/ weilen ihr nun vmb Ret
tung
der selben geschryen .

Was dise durch ein Gedicht
vorbracht / das seye euch Wien
ner
in der Warheit gesagt von
dem Fegfeuer ; Dort brennt es
über vnd über / allenthalben
Flammen / Feuer vnd Funcken /
Feuer oben / Feuer vnten / Feuer
einwendig / Feuer außwendig /
Feuer vmb vnd vmb / vnd alldort
seynd so viel schönste ausserleßni
ste
Bilder / Ebenbilder GOttes /
Con=

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✾ 125 ✾
Contrafeth der Allerheiligsten
Dreyfaltigkeit / ( a ) ist ja immer
schadt / das dise Bilder in Feuer
sollen brennen ; Nun weiß man
gar wohl / das einer nicht alle
ins gesambt kan retten / auffs we
nigst
ihr guthertzige Wienner /
rette ein jeder das jenige so ihm
zum liebsten ist ; zwickt ein eini
ges
halb Stündl von euern Welt
Geschäfften / schneidet etwas ab
von eueren Spiel=Stunden /
mindert ein wenig euer Spatzie
ren
/ überfortlet ein bissel euer
Schlaffzeit / knyet nider ein hal
be
Stund / hebt die Händ in der
Todten=Capellen auff / schreyt zu
dem süssesten JEsu in der gulde
nen
Monstrantzen / O JESU ser
AF 3 va-

(a) Faciamus hominem ad Imagi
nem & similitudinem nostram. Gen.

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✾ 126 ✾
va
mihi meam Matrem , &c .

O mein JEsu / errette doch mir
meine Mutter auß disen Flam
men
: Ein anderer bitte / O mein
Heyland hülff meiner Schwe
ster
auß disen Feuer ; Ein ande
rer
seufftze / O mein Erlöser / zie
che
doch meinen besten Freund
auß diser Brunst : Ein ander sag /
O mein Seeligmacher / erlöse
doch meinen Gutthäter auß disen
Offen ; Also wird GOtt dises
euer inbrünstig Gebett erhören .
Du mein Wienn kanst dich ja
noch entsinnen / daß du dein
Namen hast von dem Wasser
Wienn so nechst vorbey rinnet /
also bitte ich dich / folge auch ei
nen
Wasser nach / nemblich ;

Auß dem jrrdischen Paradeyß
quellen annoch vier Flüß / der er
ste

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✾ 127 ✾
ste heist Phison , der ander Gi
hon
,
der dritte Tigris , der vierdte
Euphrates : Der dritte Fluß
hat dessenthalben den Namen Ti
gris
erhalten / weil er ein so
schnellen Lauff führet ; vnd diser
schnelle Fluß fallt mit vnglaub
licher
Begier in das Todte=
Meer
/ qui cum maximo im
petu
, ut dicitur , fluit in Ma
re
mortuum
;
Spricht der H .
Richardus lib . de B . V . l . 9 . Di
sem
Wasser mein Wienn folge
nach / vnd schicke ohnverweilter /
schiebe es doch vmb GOttes wil
len
nicht ein Stund auff / son
der
geschwind vnd schnell dein
eyffriges Gebett in das Todte=
Meer
/ verstehe / jenes feurige
Meer / in welchen die arme Tod
te
vnd Verstorbne Christglaubi
F 4 ge
Seite S. 128🖼️
✾ 128 ✾
ge
zwar Zeitlich jedoch ohner
mäßlich
gequält werden . Das
vor disem ein Eßlin geredt / be
zeigt
die H . Schrifft ; wann an
heut auch ein Schwein solt re
den
/ so wurde ihr Discurs nicht
gar säuisch seyn / sonder vielleicht
dich mit ihrem schnotzenden Ries
sel
anschnarchen / vnd dir deß
Nechsten Elend zu Gemüth füh
ren
; Dann so bald ein Schwein
in einer Noth stecket / schreyet
vnd kürret / so werden vnverzüg
lich
andere Schwein zulauffen
vnd kirren / vnd ihrer Gespannin
helffen ; tragt nun ein vernunfft
loses
Thier gegen dem anderen
ein Mitleyden in der Noth / wie
viel mehr soll dir das Gemüth
erweichen die klägliche Stimm
der armen nothleydenten Gei
stern?
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✾ 129 ✾
stern
? Miseremini mei ! wie viel mehr verpflicht dich dein eygne
Natur / den armen Seelen zu
helffen mit einen andächtigen
Seufftzer / oder inbrünstigen Ge
bett
.

Meine Wienner ! wann euch
euere Kinder oder Männer mit
Todt abgangen / da weinet ihr /
das euch der Kopff möcht zer
lechsen
: da ist euer Gesicht wie
ein tropffender Distiller=Kolben ;
da färben sich euere Augen / wie
die gesottene Krepsen / wie wol
len
auch zu weilen faule Fisch
darunter ; da seynd euch die
Wangen allzeit naß / als kommen
sie erst auß der Schwem ; Al
so
hat geweint jene Wittib zu
Naim ; also gehet euch zu Her
tzen
der Todtfall euerer Liebsten /
F 5 aber

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✾ 130 ✾
aber wie vnnöthig ist all die
ses
euer Weinen / wie fruchtloß
seynd dise euere häuffige Zäher !
soll es dann zubeweinen seyn /
wann jemand auß dem Sauwin
ckel
( also wird ein finsters Gassel
zu Wienn genant ) einziecht in
die Herrn=Gassen ? vnd also au
genscheinlich
das Quartier ver
bessert
? soll es dann zu betauren
seyn / wann jemand deß Arrests
entlassen auff freyen Fuß gestellt
wird ? soll es dann zu beklagen
seyn / wann einer den sterblichen
Maden=Sack / disen säuischen
Deck=Mantl / den Leib / ablegt /
vnd den Fallstricken der verwirr
ten
Welt entgehet ? Jene junge
Tochter hat dem Todt ein grosses
Vnrecht gethan / da sie sterbend
also lamentiert .

O Todt /
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✾ 131 ✾
O Todt ! du Bäurischer grober Mann / Hülfft dann kein freundlich Wort ? Last doch mit sich der gröst Tyrann Offt handlen durch Accord ; Laß mich allein für mein Persohn Noch ein Genad erhalten / Vnd brauche mehr Discretion , Mit Jungen als mit Alten .

Dise Tröpffin solt von rechts
wegen dem Todt abbitten / daß
sie ihm ein so schimpfflichen Na
men
vnd häßliche̅ Titel anhengt /
dann er wol nicht grob / sonder
für ein Gutthäter zuhalten ist :
Tantis malis hæc vita reple
ta
est , ut comparatione illius
mors remedium esse putetur ,
non pœna .
( b ) Es ist das
menschliche Leben mit so häuffi
gen
Ubel vnd Beschwärnüssen
angefüllt / daß der Todt als ein
Schluß derselben Trangsallen
F 6 vil

(b) Ambr. 1. c. 7. Job.

Seite S. 132🖼️
✾ 132 ✾
vil mehr zu wünschen als zu be
klagen
; darumb ihr wäiche Wei
ber=Hertzen
vergiesset vmbsonst so
vil gesaltzne Thränen / vnd seynd
also dise euere Zäher den Tod
ten
kein Trost noch Erquickung ;
Wendet lieber dieselbe zu GOtt /
vnd zu Berewung euerer Sün
den
/ dann den Todten beweinen /
vmb Ursach / weil er deinen lieb
sten
Augen vnd Gegenwart ent
gangen
/ ist nichts verhülfflich /
sonder ihre Erlösung befürdert
ein H . Gebett / vnd trost=volle
Andacht : Wann endlich die
Psalmen Davids gar zu lang ;
das gewöhnliche Officium der
Abgestorbnen gar zu groß ; der
Rosen=Krantz gar zu weitläuffig
geduncket / dann ein Zärtling
bist du / ich kenn dich schon / so
schenk /
Seite S. 133🖼️
✾ 133 ✾
schenck / vnd schick auffs wenigst
ein Vatter vnser / ein Engli
schen
Gruß / oder ein Requie
scat
in pace ;
Allermassen der
gleichen
kleine Gebettl ihnen den
grösten Trost bringen / vnd gar
offt grössere Würckung in sich
halten / als lange vnd laue Ge
better
.

Der H . Lietbertus ware ein
absonderlicher Liebhaber der ar
men
Seelen / vnd hat der from
me
Mann dise löbliche Gewon
heit
an sich / daß / so offt er über
den Gotts=Acker gangen / allzeit
den Verstorbenen Christglaubi
gen
dise kurtze Wort geschenckt /
Requiem æternam dona eis
Domine .
GOtt gebe ihnen
die Ewige Ruhe ; Damit
aber

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✾ 134 ✾
aber kundtbar werde / wie wohl
gefällig
GOtt / vnd den armen
Seelen dises kurtze Gebettl seye /
haben einmahl alle Gräber mit
Menschlicher Stim̅ geantwortet
Amen Amen . Fast dergleichen
registrirt die Chronick der Car
thäuser
/ wie daß auff ein Zeit
die fromme Patres habe heimb
gesucht
ein vornehmer Herr /
dessen Vatter in erst=gedachter
Religiosen Kirchen begraben /
vnd ihnen Allmosen=Weiß ein
zimlichs groß Gold=Stuck dar
gereicht
/ mit beygefügter Bitt /
der Pater Prior wolle seine Geist
liche
betten lassen zu Trost deß
Verstorbnen ; wie sich dann des
sen
hefftig bedanckt der Prior ,
vnd ohnverzüglich seine Geistli
che
zu sammen zusammen geruffen zum Ge
bett;
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✾ 135 ✾
bett
; worauff sie einhellig gebet
ten
dise kurtze Wort / requie
scat
in pace ,
Gott gebe ih
me
die ewige Ruhe . Auff
diß machte der Pater Prior den
Schluß mit dem Amen . Der
reiche Herr rumpffte hierüber
die Nasen / fangte an zu schnar
chen
/ voller Unwillens / wie daß
er vier Wörtl / vnd zwainzig Buch
staben
nicht so theuer bezahle /
solche kurtze Gebettl kan er an
derstwo
vmb leuchtern Werth
haben ; Hierauff hat der Pater
Prior
obgedachte H . Wort re
quiescat
in Pace
schrifftlich aufs
Papier getragen / dasselbe in die
Waagschissel gelegt ; den Beutel
voll Geld auff die andere ; Und
alsbald durch Augenscheinliches
Wun=
Seite S. 136🖼️
✾ 136 ✾
Wunderwerck ist das Geld wie
ein geringe Feder in die Höhe
gestiegen / vnd das Papier mit
den wenigen Worten ein weit
grössere Schwäre gezaigt ; da se
het
ihr ( sagt der fromme Prior )
wie angenemb GOtt dem All
mächtigen
seyn die jenige Wort /
welche auß Andacht gesprochen
werden .

Allerliebste Wienner ! wann
ihr dann gantze Nächt für die
arme Seelen nicht wollet betten /
wie gethan hat der H . Nicolaus
von Tolentino ; wann ihr vil
Stund nicht wolt in Gebett ver
harren
für die arme Verstorbne
Christglaubige / wie gethan die
H . Theresia ; wann ihr nicht all
euere gute Werck wolt schencken
den armen Verlassenen im Feg
feuer /

Seite S. 137🖼️
✾ 137 ✾
feuer / wie gethan hat der gott
seelige
Ximenius , so werdet ihr
ja hoffentlich dergleichen kurtze
Gebettlein / vnnd wenige An
dacht
nicht wäigern / sonst kombt
ihr in den Argwohn / als wäre
euer Hertz den Tyrannen ver
wandt
.

Trost Der verstorbnen Wienner .

MEin Wienn / weil dir ohne
das die Zähn allzeit nach
etwas Neues wässern /
siehe / höre / verwundere vnnd
lise was seltzambes ; Es ist ein
seelige vnd heilige Junfrau Jungfrau ge
west
/ mit Namen Christina
Mirabilis ,
die wunderseltzame
Christina : welcher Nahm ihr ge
schöpfft

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✾ 138 ✾
schöpfft ist worden / wegen fol
gender
Ursachen ; Als dise heili
ge
Junfrau Jungfrau eines seeligen Todts
verschieden / hat dero Seel Gott
der Herr gleich gezeigt die er
schröckliche
Peyn deß Fegfeuers /
vnd die vnbeschreibliche Qualen
derselben armen Geistern ; ihr
beynebens die Wahl gelassen /
ob sie wolle von nun an / mit
ihme die ewige Freud vnd Glori
geniessen ; oder ob sie wider zum
Leben kehren / vnd etwas für die
arme Seelen deß Fegfeuers ley
den
wolle ? worauff dise liebhaffte
Jungfrau ein solches Mitley
den
getragen zu den armen See
len
/ daß sie den Himmel hat las
sen
Himmel seyn / vnd freymütig
widerumb zum zeitlichen Leben
geeilt / auch ihr nachmahls sol
che
Seite S. 139🖼️
✾ 139 ✾
che
ohnnatürliche Marter ange
than
/ daß sie den Namen bey der
der gantzen Welt erhalten hat /
Christina Mirabilis , die wun
der=seltzambe
Christina .

O mein GOtt ! was hat nicht
dise seelige Christina außgestan
den
/ der armen Seelen in Feg
feuer
halber ? Tag vnnd Nacht
flossen ihr die Trännen auß den
Auge̅ wie ein Quellader ; dreyssig
vnd viertzig Tag offt aneinander
vollzoge sie ein so strenge Fasten /
daß ihr auch Wasser vnd Brodt
ein Vberfluß gedunckt ; es ware
gantz gemein bey ihr in feurige
Offen zuschlieffen / sich mitten in
die Flammen vnd Kohlen zu le
gen
/ vnd ob sie zwar von densel
ben
durch beharrliches Wunder
werck
nie verzehrt worden / hat
sie

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✾ 140 ✾
sie doch vnaußsprechliche Qualen
außgestanden / nach dem sie nun
viel Stund in Feuer zu gebracht /
hat sie sich allemahl darauff zur
Winters=Zeit in das eyßkalte
Wasser gestürtzt / biß an den
Halß / daß sie gar offt sambt dem
Eyß eingefrohren ; nach allen di
sen
hat sie zum öfftisten mit blos
sen
Füssen auff den gespitzten
Dörnern getantzt ; sie hat sich
vielmahl neben denen an dem
Galgen schlenckleten Todten=
Cörper
angehenckt / ja von freyen
Stucken ihre zarte Glieder in
das Radt eingeflochten / damit
sie also alle Peyn der Welt auß
stehe
; die Welt hielte sie für vn
sinnig
/ vnd dessentwegen ist sie
gefangen worden / gebunden wor
den
/ geschlagen worden / ver
sperrt
Seite S. 141🖼️
✾ 141 ✾
sperrt
worden / verwundt wor
den
/ vnd solche Ding außgestan
den
/ das wofern sie GOtt nicht
durch ein Wunderwerck erhal
ten
/ hätte müssen ihr Leib offt
( wann er auch wäre gewest auß
dem härtisten Stahl ) zu Pulver
werden ; sie aber zeigte Augen
scheinlich
/ wie die Göttliche
Hand sie schutzte / allermassen ihr
auß den Jungfräulichen Brüsten
Oel geflossen / wardurch den
Blinden das Gesicht erstatt
worden .

So vil außstehen für die arme
Seelen im Fegfeuer ist freylich
wohl wunderseltzamb ; getraue
sich nur keiner nicht ein Quintel
dises Leydens auch der gering
sten
Dienst=Magd zu Wienn an
erbietten
/ dann bey dieser Zeit
last

Seite S. 142🖼️
✾ 142 ✾
last sich der häickliche Leib nicht
also vnartig tractiren ; wann ihr
aber meine Wienner / doch so ge
sparsamb
seyt im Leyden / so
zeigt euch doch vmb Gottes Wil
len
freygebiger im Mitleyden
gegen den armen Seelen / vnd
da ihr / wie die wunderbarliche
Christina nicht wölt die Händ
außstrecken / so strecket doch zum
wenigsten dieselbe auß zum All
mosen
geben / welches ein abson
derlicher
Trost ist / für die Ver
storbne
Christglaubige in jener
Welt ; dann also bezeugt es der
grosse Kirchen=Lehrer Augusti
nus
( c ) Orationibus Sanctæ
Ecclesiæ & Sacrificio salutari ,
& Eleemosynis , quæ pro eo
rum
Spiritibus erogantur ,

non

(c) Serm. de Verb. Apost.

Seite S. 143🖼️
✾ 143 ✾
non est dubitandum mortuos
adjuvari ,
es ist gäntzlich nicht
in Zweiffel zusetzen / daß durch
ein andächtiges Gebett / durch
das höchste Geheimnuß deß Al
‚tars
/ vnd durch das H . Allmo
‚sen
den armen Seelen geholffen
werde .

Wie der Herr JEsus in Ge
genwart
seiner Apostel gen Him
mel
gefahren / bezeigt das Hei
lige
Evangelium ; elevatis ma
nibus
habe er seine Händ auß
gestreckt
/ auffgehebt / vnd also
seine offene durchlöcherte Händ
gezeigt / biß er von der Wolcken
auffgenommen worden ; allen zu
zeigen / das man nicht anderst
den Himmel erreiche / als mit
durchlöcherten / das ist mit frey
gebigen
Händen / wo alles durch
fallt /

Seite S. 144🖼️
✾ 144 ✾
fallt / zu Nutzen der Armen . Jst
demnach das Allmossen ein Elia
nischer
Triumph=Wagen / der
den Menschen in das ewige Pa
radeyß
überführt .

Die Oesterreicher führen in
ihrem uhralten schönen Land=
Schildt
5 . Lerchen : wäre zu wün
schen
/ daß sie ( forderst die Wien
ner
) ein Lerchen=Art an sich zie
heten
; dann die Lerchen lieben
absonderlich den Acker / vnd der
wil Lerchen sehen / Lerchen
ren
/ Lerchen fangen / der begib
sich auff den Acker . Der Acker
ist der Lerchen Quartier ; Der
Acker ist der Lerchen Proviant=
Hauß
; Der Acker ist der Lerchen
Musicalischer Chor ; Von Her
tzen
wäre zu wünschen / daß die
Wienner / wie die Lerchen mach
ten /

Seite S. 145🖼️
✾ 145 ✾
ten / den Acker liebten / den Acker
besuchten / verstehe den Gotts
Acker
; Alldorten der Verstor
bnen
Christglaubigen ingedenck
wären / ihnen müglichsten Trost
ertheilten / welches da geschihet
durch ein H . Allmossen / so man
den armen Betler darreichet / vnd
solche Verdiensten dem Fegfeuer
übersendet .

Viel beunruhet gar offt ein
Gottseeliger Vorwitz / zu besu
chen
die Heilige Altär / allwo der
HErr JEsus gebohren / gelebt /
gelitten / vnd gestorben / damit sie
denselben müglichste Ehr möch
ten
erweisen : absonderlich seynd
eine / so da höchstes Verlangen
tragen zu sehen das Krippel / in
welchen das Göttliche Kind / das
G ein=

Seite S. 146🖼️
✾ 146 ✾
Eingefleischte Wort GOttes ge
legen
zu Bethlehem ; Jst es Sach /
daß ihr meine Wienner ein
gleichmässige Begierd traget / so
kommet / ich will euch zeigen das
Krippel deß HErrn ; dörfft des
senthalben
nicht ein Viertel
Stund weit euere Füß abmatten .

Begebet euch hinauß zum Kär
ner=Thor
/ zum Stuben=Thor /
zum Burg=Thor / zum Schotten=
Thor
allhier / rc. Dort werdet
ihr gleich antreffen ein armen
Betler der mit anderthalben Füs
sen
euch nachhupffet / vnd vmb
GOttes willen ein Pfenning
begehrt ; dort werdet ihr gleich
sehen einen Tropffen / welcher
ein Armb hat / vnd doch aller
seits
arm ist / vnd zeigt fein mit
gestimmelten Armb / was ihm
das

Seite S. 147🖼️
✾ 147 ✾
das Vnglück für ein Elend
in die Händ gespielt ; dort
wird euch gleich in die Augen
kommen einer / dessen Kopff
ein Copey von einer Aichnen
Rinden / dessen Leib ein lider
ner
Sack von Elend scheinet /
krump vnd gliderloß ligend auff
einen halb müstigen Sroh=Hauf
fen
Stroh=Hauffen ; dort wird euch bald einer
nachtropffen / der seine Augen
am Stecken tragt / vnd ist dem
armen Tropffen nur leyd / daß er
das Elend muß leyden / vnd es
nicht kan sehen ; dort wird einer
stehen mit gebognen Ruckgrad /
dem die Natur die Red verarre
stiert
/ vnd muß mit dem Klöckl
verdollmetschen / was die Zung
nicht kan reden / rc. Alle dise ver
lassene
/ blosse / arme / elende Men
G 2 schen /
Seite S. 148🖼️
✾ 148 ✾
schen
/ pflegt ihr selbst arme Krip
pel
/ krancke Krippel / elende Krip
pel
zu nennen . Nun last es euch
gesagt seyn / das nicht vonnö
then
das Krippel vnsers HErrn
zu Bethlehem / oder Rom zu be
suchen
/ alldieweil vmb die gantze
Statt Wienn ringsherumb ein
jeder armer Bettler ein Krippel
vnsers HErrn ist / vnd was ihr
disem thut / daß thut ihr Christo
selbst / quod enim uni ex mi
nimis
meis fecistis , mihi fe
cistis
.

Hat sich dann nicht der HErr
JEsus selbst bekleydt mit einem
Fleck / welchen Martinus auß
Barmhertzigkeit von dem Mantl
getrennt ? So verehrt dann mei
ne
fromme Wienner solche arme
Krippl mit einen H . Allmosen zu
Nu=

Seite S. 149🖼️
✾ 149 ✾
Nutzen der Christglaubigen Ab
gestorbnen
; solches Allmosen ist
das beste Wasser / welches dero
auffsteigende Flamme dämpffet
vnd löschet / Sicut aqua extin
guit
ignem , ita Eleemosy
na
, &c .

Also hat Benedictus Octa
vus
der Römische Bapst nach
seinen Todt von seinen Nachfol
ger
Joanne inniglich gebetten /
er wolle doch ein gewisse Summa
Gelts den Armen außtheilen / da
mit
er dardurch auß dem Feg
feuer
erlöst wurde .

Hier rupfft vnd zupfft mich
ein Zartling / vnd entschuldigt
sich gar höfflich / wie daß er
nicht könne wegen Vnbäßlich
keit
deß Leibs vnd Schwach
heit
deß Magens fasten / noch
G 3 mit

Seite S. 150🖼️
✾ 150 ✾
mit blutigen Disciplinen vmb
gehen
/ noch in weite Kirch=
Fahrten
sich einlassen / er kön
ne
auch wegen stäts lauffen
den
Hauß ( hätte bald gesagt )
Schmauß=Unkosten das Seini
ge
nicht durch das Allmossen
verschleidern ; So sey es dann /
damit ich dir nicht die Gall rüh
re
/ vnd folgsamb die Apotecker=
Unkosten
vermehre / will ich diß
alles glauben ; ob zwar wohl
könte den überflüssigen Kleyder=
Pracht
/ deine mit frembden
Titl gallisierte Spitz / deine vn
nutzige
/ affische / hundische / papa
geyische
Kostgeher ; deine vnnö
thige
kostbare Schlecker=Bissel /
deine mit Gold überzogene Ca
rozzen
/ welche sich dem Koth
zu Ehren also auffbutzen ; deine
theure
Seite S. 151🖼️
✾ 151 ✾
theure Sperber= vnd Falckner=
Hötz
vorwerffen / welcher Vber
fluß
dir offt nicht standmässig zu
stehet
/ ja bald dahin ein jeder
Wäschtrampl sich in Seiden ein
bauscht
/ vnd in ihren schlechten
Gewörb den Namen Gallant er
haschen
will ; ich lasse nichts de
stoweniger
auch dise deine Ent
schuldigung
in ihren Gesicht
vnd Gewicht ; aber auß was vor
einen Schublädl wirst du kön
nen
die Außred heben / wann
die arme Seelen auß den Flam
men
vnd Feuer so inniglich bitte̅
vmb ein H . Ablaß ? welcher weit
ist über den Possaunen=Schall
zu Jericho / weil er auch die star
cke
Mauren deß Fegfeuers vmb
stürtzt
; welcher weit ist über den
Hönig=Fladen deß Samsons /
G 4 weil
Seite S. 152🖼️
✾ 152 ✾
weil er auch die bittere Schmer
tzen
deß Fegfeuers versüsset ; wel
cher
weit ist über die Ruthen
Moysis / weil er auch den freyen
Paß durch das Flammende Meer
deß Fegfeuers machet / O wohl
ein guldener Schatz !

Was ist ein Ablaß ? antwor
te
/ est remissio pœnæ tem
poralis
DEO debitæ , quæ fit
extra Sacramentum , per
applicationem satisfactionis
Christi & Sanctorum .
( a ) Es
ist ein Nachlaß der zeitlichen
Straffen : Dann zuwüssen das
GOttes Sohn mit dem gering
sten
Werck hätte können tau
send
/ ja vnendlich Welt erlösen /
in deme alle seine Werck vnnd
Würckung eines vnendlichen
Werth seyn : hätte also mit einen
eini=

(a) Laym. Tr. de Ind.

Seite S. 153🖼️
✾ 153 ✾
einigen Tritt vnd Schrit über
flüssig
genug gethan für die
Sünd deß Adams , vnd folg
samb
auch vor vns : weilen er
aber so viel hundert tausend
Bluts=Tropffen reich=flüssig ver
gossen
/ also ist ein vnendlicher
Vberfluß seiner Genugthuung
vnd Verdiensten geblieben in dem
Schatz der Catholischen Kirchen .
Es hat auch die seeligste Jung
frau
Maria / so grosse Werck vnd
Buß=Werck verricht / da sie doch
kein einige Sünd begangen / vor
welche sie hätte sollen genug
thun / dessentwegen deroselben
Valor gebliben in dem Schatz
der Catholischen Kirchen . Von
so viel tausend vnd hundert tau
send
heiligen Meß=Opffern wach
sen
die Reichthumben der Ca
G 5 tholi=
Seite S. 154🖼️
✾ 154 ✾
tholischen
Kirchen so starck /
das dero Schatz in vnendlichen
Werth steiget . Vnd zu disen
Schatz hat den Schlüssel / hat
den Gewalt von Himmel der
Statthalter vnd Vicarius Chri
sti
zu Rom / welcher dann auß
anerwenten vnendlichen Kir
chen=Schatz
dem H . Ablaß auß
theilet
.

Mercke es fein wohl / wann
du auß vnartiger Menschlicher
Schwachheit / oder auß muth
williger
Boßheit in ein Todt=
Sünd
fallest / so hast du schon
das Schwerdt vnd die Schwäre
der ewigen Verdamnuß auff
dich geladen : Wann du aber durch
ein bußfertige Beicht deine Mis
sethat
bereuest / alsdann werden
die Band zertrennt / mit den du
an

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✾ 155 ✾
an die Verdamnuß angefässelt
warest / vnd schenckt dir der mild
hertzigste
GOtt die ewige Straff /
dergestalten / daß er dieselbe in
ein Zeitliche verwechslet . Zum
Exempel : Es ist einer / der mit
dem Evangelischen Verwalter
sich deß Bettlens schämet / vnd
der Arbeit nicht gewohnt ist /
also zu seiner Auffenthalt das
fünff Finger Handwerck treibet /
vnd wann er schon nicht von
Adel / gleichwol ein Greiffen in
Schildt führt : Geschieht nun /
daß diser vngeladene Raumauff
ertapt / vnd nach klarer Bekandt
nuß
zum Strang vnd Todt ver
urtheilt
wird / auff vornehme In
tercession
aber schenckt ihme
der Lands=Fürst das Leben ; aber
vermuthest du / daß solcher gleich
G 6 auff
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✾ 156 ✾
auff freyen Fuß gestellt werde ?
Nein / er schenckt ihm das Le
ben
/ aber er muß etlich Jahr
darfür in dem Statt=Graben
arbeiten ; Verzeyhe mir dise tum
pere
Vergleichnuß ; nicht anderst
macht es der Göttliche Richter ;
deine gebeichte Todt=Sünden
schenckt dir GOTT / der ewigen
Straff aber hierdurch bist du nicht
gäntzlich befreyet / sondern der
Allerhöchste ändert solche ewige
Straff in ein Zeitliche / welche
da bestehet in langwierigen bit
tern
Bußwercken diser Welt /
oder in zeitlicher Peynigung deß
Fegfeuers in jener Welt . Jetzt
fragst du / zu wem dann der H .
Ablaß dienlich seye ? So wisse
daß diser die zeitliche Straff so
wohl hier als dort bezahle vnd
ab=
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✾ 157 ✾
abstatte ; fasse dise Lehr fein wohl ;
wo nicht / so butzt dir das Licht
noch besser folgends Exempel ;

Es seynd Joannes vnd Pau
lus
; Paulus
beichtet mit gebüh
render
Reu seine Todt=Sün
den
vollkommentlich / bereichet
sich weiter mit kein Ablaß / son
dern
stirbt gleich nach gethaner
Beicht ; diser wird von der Gött
lichen
Justiz übergeben dem Feg
feuer
/ allwo er solche Quallen
zu leyden hat / daß gegen densel
ben
die Peyn aller Martyrer ein
sanfftes Rosen=Bethel zu tauffen
seünd ; Joannes beichtet gestal
ter
massen eben seine Todt=Sün
den
/ versieht sich aber nach ab
gelegter
Beicht mit ein vollkom
menen
Ablaß / vnd stirbt vrblitz
lich
darauff : Diser entgeht nicht
allein

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✾ 158 ✾
allein der ewigen Verdambnuß /
sondern wie ein vnschuldiges
Kind von der Wiegen vnd Armb
der Ammel steigt zu dem göttli
chen
Angesicht .

Jst dannenhero der H . Ablaß
ein guldener Schatz / welcher be
stehet
in den Verdiensten deß
Bluts Christi ; in den Ver
diensten
vnd Gemeinschafft der
Heiligen : Diser ist besser als
der Schwemb=Teich zu Jerusa
lem
/ weil diser nur den Leib /
jener aber die Seel heilet vnnd
heiliget . Diser ist besser als die
Esther / dann solche nur die He
bræer
auff freyen Fuß gestellt /
diser aber frey vnd freudig macht
die Seelen deß Fegfeuers . Diser
ist besser als der Engel Raphaël ,
dann solcher nur dem Tobiæ das
das

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✾ 159 ✾
das Gesicht erstattet deß Leibs /
diser aber eröffnet auch die Au
gen
der armen Seelen / daß sie
können GOtt anschawen .

Also bezeugt es die Cronick deß
Seraphische̅ Ordens S . Francisci
mit folgender Geschicht An . 1308 .
ist ein Edelmann gereist sambt
einen armen Bauern nach der
Kirchen Portiuncula , zu Neapl
aber ist der Bauer ( den ohne das
die häuffige Arbeit abgemattet )
zimblich erkrancket / also daß er
von der vorgenommenen Kirch
fahrt
abzustehen völlig gedacht
wäre ; solchen aber hat der gute
Edelmann mit so beweglichen
Ersuchungen überredt / daß er
ferners mit ihm gereist : den hat
der Herr aber mit allen nothwen
digen
Unkosten versehen / ja sein
eignes

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eignes Pferd die Ruckkehr zu
beschleunigen
versprochen / doch
mit diser gestalten Bedingnuß /
daß der Bauer den H . Ablaß in
der Kirchen Portiuncula wolle
freymütig appliciren seinem vn
längst
Verstorbenen Bruder ;
welches dann alles der fromme
Ackersmann zugesagt / vnd allem
Vermögen nach werckstellig ge
macht
hat ; da siehe aber den gros
sen
Werth der H . Indulgenzen ;
gleich den andern Tag erscheint
obberührten Edelmann sein ver
storbner
Bruder / vnd kündet
ihme trost=voll an / wie daß er
jetzt durch den H . Ablaß deß from
men
Bauers=Mann zur ewigen
Glori auffgenommen werde .

Wohlan nun mitleydender
Wienner / sollen dir dann die Oh
ren

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✾ 161 ✾
ren nicht klingen / in deme in
jener Welt / die betrangten See
len
stäts von dir / ja / zu dir re
den
/ vnd mit blutigen Thränen
dich vmb die H . Indulgenzen
ersuchen . Seye demnach wie
jener Engel / welcher den H . Pe
trus
auß der Gefängnuß geführt ;
seye wie jener Engel / welcher
der trostlossen Agar in der
sten
beygesprungen ; seye wie je
ner
Engel / welcher die Flammen
deß Babilonischen Ofen ge
dämpffet
hat . Lösch Wienn
jene empor steigende Flammen ;
Lösch Wienn jene brinnen
de
Funcken ; Lösch Wienn
jenen angefeuerten Ofen / in wel
chen
die arme Seelen gepeyni
get
werden / mit dem H . Ablaß /
per
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✾ 162 ✾
per modum suffragij , so mehr
als alle Wasser=Güß löschen
kan .

Wie die Apostel in ein Schif
fel
nächtlicher Weil von der Un
gestümme
deß Meers in die grö
ste
Noth gerathen / ist ihnen der
Herr JEsus am Ufer erschienen /
vnd stellte sich als wolte er vor
bey
gehen ; als die Apostel sol
ches
wahr genom̅en / Putabant
esse phantasma ,
glaubten sie
gäntzlich es seye ein Gspenst / kun
ten
es ihnen nicht einbilden /
daß ein Mensch seye ; auß Ur
sachen
/ weilen er ihnen nicht bey
gesprungen
in ihrer grossen Noth ;
dann es scheint vnmenschlich /
einen in äusserster Noth die hülff
liche
Hand wäigern . Hast du
solches vernommen mein Wien
ner /

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✾ 163 ✾
ner / so zeig dich ein Menschen /
ein Gutthäter / ein Hülff=Laister /
ein Tröster / ein Nothhelffer / ein
Röther / ein Vorsprecher / ein
Erlöser diser armen Gefangenen
durch den H . Ablaß .

Mutter Der verstorbnen Wienner .

DJe DIe Statt Wienn pran
get
absonderlich mit schö
nen
Tempel / vnd Gotts=
Häusern
/ deren sehr viel dem Na
men
der Mutter GOttes ge
widmet
seyn : vnter andern ist
ein vhralte Kirch zu Wienn /
Passauerischer Diecœss / welche
den Namen führt Maria Stie
gen;

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✾ 164 ✾
gen ; die arme Seelen in dem
Fegfeuer bekennen sammentlich /
daß sie vnter dise Pfarr gehören /
dann in aller Warheit die über
gebenedeyte
Mutter Gottes ih
nen
ein Stiegen abgibt / worauff
sie trostreich gen Him̅el steigen .
Deßgleichen ist ein Kirchen zu
Rom / welche da stehet vnter dem
Schutz vnd Schatz der Mutter
GOttes / vnd wird solcher Tem
pel
ins gemein genennt Scala
cœli ,
vnser Frau Himmels=Stie
gen
. Der Ursprung dises Namens
ist diser :

Der H . Bernardus hatte vn
weit
von seinem Kloster ein ab
sonderliche
Andacht zu einer Kir
chen
in dero ein Uhraltes Maria=
Bild
stunde / welches aber durch
saumseelige Verehrung ohne Ti
tul

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✾ 165 ✾
tul vnd Namen ware ; bey disen
alten Genaden=Bild hat er
einest ein Meß gelesen vor ei
nen
Verstorbenen gar getreuen
Freund ; nach vollendten Meß=
Opffer
/ sicht er durch Göttliche
Offenbahrung ein Laitter oder
Stiegen von dem Fegfeuer biß
gen Himmel / vnd nimbt beyne
bens
wahr / wie das auff diser
Stiegen die Seel seines besten
Freunds hinauff steige in die all
sättliche
Glory / schlägt hernach
vor lauter Freuden die Händ zu
sammen
/ vnd nennt das selbige
Maria=Bild / vor deme er an
dächtigist
celebriert Scala
li
, Unser Frau Himmels=Stie
gen
; schribe gäntzlich der Mutter
der Barmhertzigkeit zu / das durch
vielwürckende Vorbitt derosel
ben
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✾ 166 ✾
ben
sein guter Freund die See
ligkeit
erhalten . ( b )

Ja es ist ein gottseelige Mey
nung
( schreibt der gelehrte Ger
son
) daß gleich wie der Herr
JEsus nach seinen Todt in die
Vorhöll gestiegen / von dannen
die betrangte Alt=Vätter erle
diget
/ also seye gleichförmig die
Mutter GOttes nach ihren see
ligsten
Hinscheyden den geraden
Weeg in das Fegfeuer hinunder /
vnd alle daselbst gefangene Christ
glaubige
mit sich in ihrer glor
reichen
Himmelfahrt auffgenom
men
;

Der H . Petrus Damianus
bestättiget es glaubwürdig / daß
wie zu Rom / am Hoch=Fest Ma
ria
Himmelfahrt männiglich in
der

(b) Octavius Panzius.

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der Kirchen grossen Eyffer vnd
Andacht zeigte / seye offentlich
eine vnlängst verstorbene Ma
tron
erschienen / und als sie ih
res
Standts befragt worden /
gab sie die freudenreiche Ant
wort
/ wie daß sie gleich disen
Tag seye durch Vorbitt Ma
riæ
erlöst worden auß dem Feg
feuer
/ vnd seynd mit ihr durch
die Himmel=Königin Maria
mehrer Seelen auffgenommen
worden auß disen peynlichen
Kercker / als die gantze Statt
Jnnwohner zehlete . ( c ) Worauß
dann Sonnenklar erhellet / wie
Maria ein mildhertzigste Mut
ter
seye der armen Seelen im
Fegfeuer .

Jch bin verwichen zu der
Wien̅=

(c) Manni 165. in suo Trig.

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✾ 168 ✾
Wien̅statt hinauß gangen / theils
ein kühlenden Lufft zuschöpffen /
forderist aber jene Oerther von
fern zubesichtigen / in welchen so
viel tausend Wien̅er eingescharrt
worden ; so ist mir gantz natür
lich
vorkommen / als höre ich
folgende lamentierliche Stimm
auß der Erden .

Jhr Cavalier thät höfflich mir Mit Lauten offt auffbassen / Und habt mir g’macht bey Tag vnd Nacht Vil Hoffrecht auff der Gassen / Kein Seitten=Klang / ein ander Gsang / Steigt jetzt auß meinen Hertzen / O heiß ! wie warm ! daß GOtt erbarm ! O weh ! O weh der Schmertzen ! Auß einer andern Gruben . O Bruder mein / wie offt ein Wein Haben wir vnmässig truncken / Beym
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✾ 169 ✾
Beym gulden Schwann / beym weissen Haan . Fast wie die Blöck gesuncken / Vor Malvasier ist jetzt Durst hier Wir brennen wie die Kertzen / O heiß ! O warm ! daß GOtt erbarm ! O weh ! O weh der Schmertzen ! Auß einer andern Gruben . Melancholey mit Lapperey Haben wir offt vertrieben / Bald vmb die Schantz / bald bey dem Tantz / Der Ehr ein Nasen geriben / Nun seht wie theuer kombt vns im Feuer Das bißl / koste Schertzen / O heiß ! O warm ! daß GOtt erbarm ! O weh ! O weh der Schmertzen !

Allen meinen Geduncken nach
hab ich dergleichen weklagende
Stimm gehört auß der Gruben
vnd Krufften vmb die Wienn=
Statt
/ vnd scheinten fast Stim
H men

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✾ 170 ✾
men zu seyn / wie zu Zeiten des
ermordten Abels , mit disen ei
nigen
Vnderscheyd / das der
Abel auß der Erden Rach / die
die Wien̅er aber Ach ! geschryen /
vnd sich wegen der übermässigen
Hitz beklagt / welche sie alldor
ten
leyden in dem Fegfeuer . Ge
tröst
ihr Wienner ! gedachte ich /
es wird sich schon etwas finden /
so euer Hitz lindern vnd mindern
thut . Avicenna sambt andern
Natur=Kündigern bezeugt / das
bald nichts besser kühle als die
Rosen . Ein Rosen nun ist die
übergebenedeyte Mutter GOt
tes
Maria ; dann also wird sie
benambset in der Lauretanischen
Lob=Verfassung / Rosa Mystica :
ora pro nobis .
Du Geist
liche
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✾ 171 ✾
liche
Rosen / Bitt für vns .
Dise / dise Marianische Rosen
wird euch die gröste Hitz wenden /
zumahlen aller Seelen Tag heyer
an einen Sambstag fallet / wel
cher
ohne das gewidmet ist der
Mutter GOttes . Es hat dise
Himmels Königin selbst der H .
Brigittæ geoffenbahret / Nulla
pœna est in Purgatorio , quæ
per me non erit remissior , &
levior ad ferendum .
Es ist
kein einige Peyn deß Fegfeuers /
welche durch mich nit geringert
wird . ( a )

Wie der H . Clemens der Si
bende
Römische Papst / damahls
noch ein Ordens=Mann / an al
ler
Christglaubigen Seelen=Tag
das Hoch=Ambt gehalten in der
H 2 Kir=

(a) Lib. 6. Revel. c. 10.

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✾ 172 ✾
Kirchen S . Joannis Lateranen
sis
vor die Abgestorbene / auff
dem Altar Vnser lieben Frauen /
hat sich dises Wunderding bege
ben
; Als die Music in dem Sal
ve
Regina
zu disen Worten
kommen / Eja ergo Advocata
nostra ; illos tuos , &c .
Eja
vnser Fürsprecherin / dar
umb
wende deine barm
hertzige
Augen zu vns / rc.
Da hat Clemens Augenschein
lich
wahrgenommen / daß die
Maria=Bildnuß auff dem Al
tar
ihre Augen gewendt hat / auff
das gewöhnlich auffgestellte Tod
ten=Gerist
/ vnd wurde ihme dar
über
geoffenbahret / das durch
den eintzigen Anblick der Him
mel=Königin
/ den sie geworffen
in
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✾ 173 ✾
in das Fegfeuer / alle Seelen / so
selbiges Jahr dahin kommen /
auß den Flammen erlöst worden .
Jch glaube gäntzlich ; gleich wie
wie wie Jacob der Patriarch hat die
gantze Nacht müssen ringen / sich
bemühen / hat müssen schwitzen /
biß die Morgenröth auffgangen /
also müssen die armen Seelen
in jener Welt vnter der schwären
Hand GOttes leyden vnd schwi
tzen
/ biß die schöne Morgenröth
Maria auffgeht / vnd sie mit ih
ren
Mütterlichen Anblick be
scheinet
; dann der Allmächtige
also beschlossen / kein einige Gnad
weder vns Wanderfertigen auff
diser Welt / weder den betrang
ten
Christglaubige̅ in jener Welt
zuertheilen / es komme dann sol
che
durch die Schoß Mariæ .

H 3 Man
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✾ 174 ✾

Man weiß gar wohl / daß ein
Weib die betrangte Statt Be
thulien
erlediget hat von einer
grossen Trangsal : man weiß gar
wohl / das ein Weib David er
rett
hat von der Todts=Gefahr :
man weiß gar wohl / das ein
Weib ersättiget hat den hungeri
gen
Eliam : man weiß gar wohl /
das ein Weib die Außspeher deß
Kriegs=Fürsten Josua beym Le
ben
erhalten hat : man weiß gar
wohl / das ein Weib den Unter
gang
der Hebræer verhütt hat ;
man weiß gar wohl / das ein Weib
dem Jacob die Vätterliche Be
nediction
procuriert hat : man
weiß gar wohl / das ein Weib
nicht allein den Eliezer / sondern
auch seinen Camelen das Wasser
anerbotten hat : man weiß gar
wohl /

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✾ 175 ✾
wohl / das ein Weib sich deß
schwimmenden Moysis in Bimb
sen
Körbl erbarmet hat : man
weiß gar wohl / das ein Weib vor
den fast sterbenden Ismaël bit
terlich
geweint hat : man weiß
gar wohl / das ein Weib von Na
tur
barmhertzig ist : Maria die
gebenedeyte vnter allen Weibern
ist nicht allein barmhertzig / son
dern
wird verehret noch mit dem
Titul Einer Mutter der Barm
hertzigkeit
. Jhre Barmhertzigkeit
genüssen alle Sünder der Welt ;
ihre Barmhertzigkeit genüssen for
derist
die arme Seelen im Feg
feuer
.

Thomas Cantipratanus
erzehlt / das ein Hertzogin in
Brabant an einer gefährlichen
Kranckheit ligerhafft worden /
H 4 wessent=

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✾ 176 ✾
wessentwegen sie dann die Heili
ge
Jungfrau Ludgarde ( damals
wonhafft in selbiger Landschafft )
Vmb hülff vmb Hülff ersucht ; welche dann
durch Eingebung GOttes bald
erfahren / wie das solche Kranck
heit
werde ein Ziel seyn ihres
Lebens ; dahero die Hertzogin ey
frigist
ermahnt / sie wolle vnd sol
le
sich bestermassen richten zum
Weeg in die Ewigkeit ; an wel
chen
sie dann nichts erwinden
liesse / vnd also nicht lang her
nach
in Gott seelig verschieden ;
gleich aber nach dem Todt er
scheint
sie der H . Jungfrauen
Ludgardi in grosser Glory vnd
Glantz / über welches die H .
Jungfrau sich nicht allein höch
lich
verwundert / sondern auch
befragt / wie daß sie doch so bald
der
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✾ 177 ✾
der zeitlichen Straff deß Feg
feuers
seye loß worden ? darauff
die seelige Hertzogin geant
wortet
/ ihr habe solches bey dem
höchsten GOtt außgewürckt die
Himmel=Königin Maria / vnd
keines weegs gestatten wollen /
daß ihr Seel solle berührt wer
den
von selbigen peynlichen
Flammen / auß Ursach / weil sie
die Mutter GOttes mit so
manchen H . Rosenkrantz verehrt
habe . ( b ) Auff solche Weiß / wer
spricht nicht / daß Maria ein
Trösterin seye der Betrübten /
absonderlich jener im dem Feg
feuer
?

Allerliebste Wienner / O wie
hertztrinnig schreyen euere vor ei
nem
Jahr verstorbene Bekandte /
H 5 begeh=

(b) In Vita S. Ludgard.

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✾ 178 ✾
begehren nichts anderst / als was
jener barmhertzige Samaritan
dem halb Todten reisenden in
die Wunden gossen / nemlich Wein
vnd Oel : durch den Wein ver
stehe
den Kelch deß Altars ; durch
das Oel die Barmhertzigkeit der
Mutter GOttes ; Mitleydente
Wienner ! O wie wehmütig he
ben
eure Verwandte ihre flam
mende
Händ in die Höhe / vnd
bitten vmb nichts anderst / als
vmb die zwey Farben deß Oester
reichischen
Land=Schild / nemb
lich
Weiß vnd Roth ; durch die
rothe Farb / solle angedeut seyn
das Blut Christi in der H . Meß ;
durch die weisse Farb / verstehe
die Vorbitt der Unbefleckten
Jungfrauen Maria / welche ein
absonderliche Zuflucht der armen
Seelen
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✾ 179 ✾
Seelen ist . Ja der Elisæus hat
nicht also sorgfältig getracht
nach dem Mantl Eliæ , wie dise
trachten nach dem Schutz=Mantl
Mariæ . Jch glaub / ich trau / ich
hoff / es werden vnfehlbar an
aller Seelen Tag / das ist am
Sambstag viel Wiennerische Ge
müther
in der Todten=Capellen
bey vns zu Wienn sich zu Ma
ria
der Himmel=Königin erhe
ben
/ vnd folqender Gestalt betten .
O Maria du Hülff der ar
men
/ du Trösterin der Be
trübten
/ du Hoffnung der
Verlassenen / wende doch
deine barmhertzige Augen
zu den armen Seelen im
Fegfeuer ; eröffne ihnen dei
H 6 ne
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✾ 180 ✾
ne
reichflüssende Gnaden=
Schoß
/ die du allzeit den
Namen hast Mutter der
Barmhertzigkeit ; Wir bit
ten
durch das jenige Mit
leyden
/ so dein Mütterli
ches
Hertz empfunden / als
dein allerliebster Sohn Je
sus
von den Hebræischen
Lotters=Knechten zum Tod
geschleipfft worden . Weil
du bist der wahre Meer=
Stern
/ so führe doch dise
betrangte Geister auß der
peynlichen Finsternuß ; weil
du bist der Brunn deß
Heyls /
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✾ 181 ✾
Heyls / so lösche doch die
schmertzliche Flam̅en diser
Christglaubigen ; weil du
bist ein Mutter Christi / so
erlöse doch dise arme Chri
sten
; erbarme dich der ver
storbenen
Wienner / welche
zu Leb=Zeiten dich als ein
Mutter der Barmhertzig
keit
so inniglich offt verehrt
haben ; seye ihnen ein Wol
cken
/ die sie führt auß den
schmertzlichen Egypten in
das ewige Vatter=Land :
zeige ihnen doch einmahl
JEsum in der Glori / nach
dem
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✾ 182 ✾
dem sie mehrer seufftzen / als
ein durstiger Hirsch nach
dem Brunnquell / O güti
ge
/ O milde / O süsse Jung
frau
Maria .

Danck Der Verstorbnen Wien̅er .

MEin Wienn / ich zeig dir
ein Brunn / auß dem ein
jeder gern schöpfft ; ich
zeig dir eine Brunst / bey der sich
ein jeder gern wärmet ; ich zeig
dir ein Lämpel / dem ein jeder
gern die Woll abnimbt ; ich zeig
dir ein Lampen / mit der ihm ein
jeder gern leuchtet ; ich zeig dir
ein Thür / zu der ein jedweder
gern

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✾ 183 ✾
gern eingehet ; ich zeig dir ein
Thier / welches ein jeder gern
sehet ; ich zeig dir ein Oehl mit
dem sich ein jeder gern salbet ;
ich zeig dir ein Ellen / mit der sich
ein jeder gern messet ; alles dises
ist das Interesse , welches zwar
ein Lateinisch Wort ist / aber es
verstehts auch der Teutsche
Bauer ; vnd thut wohl der Ba
wers=Mann
nichts / es seye dann
Interesse ziehe ihm den Pflug ;
es thut wol der Wagner kein Lai
ter
machen / es seye dann Interes
se
bohr ihme die Löcher ; es thut
wohl der Cantzelist nicht schrei
ben
/ es seye dann Interesse spitzt
ihm die Feder ; dann die Welt
ist schon dergestalt gesitt vnd ge
sinnt
/ daß das Interesse der
Haubt=Schlissel ist / so alle Thür
auff=
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✾ 184 ✾
auffspörrt ; Man laufft / man
schnaufft man kaufft / man raufft /
man saufft / wegen deß Interesse .

Wisse Wienn / daß kein Ding
grössers Interesse außbriette / als
die hülffreiche Andacht zu den ar
men
Seelen im Fegfeuer ; Dann
weil der gratiæ eigentlicher
Echo ist das Deo gratias , wei
le̅
auff den Schencker rechtmäs
sig
der Dencker folgen muß ;
weilen der Gutthat leibliche
Tochter ist die Danckbarkeit /
also findt man solche Danckbar
keit
bey niemand besser als bey
den armen Seelen im Fegfeuer ;

Wann du bey fruchtbarer
Herbst=Zeit dein häuffigen Ge
schäfften
ein Feyer=Abend ansa
gest
/ vnd dich in etwas zuerge
hen
auff das Feld hinauß begibst /
so

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✾ 185 ✾
so geschicht / daß dir ein Bauers
mann
vnter die Augen kombt /
deme vmb den Halß ein rupffe
nes
Hals=Tuch voll mit Traydt
hanget ; Du siehest daß diser zum
öfftern in solchen zwilchenen
Buesen greiffet / vnd gantze Gauf
fen
voll deß besten Getraydts in
die Erd werffe / du glaubst ja nicht
daß diser ein vernunfft=loser Ver
schwendter
seye / vnd die liebe
Frucht vmbsonst in die Erden
werffe ? sondern dises bringe ihm
ein vilfältiges Interesse vnnd
Haupt=Gewinn ; ja wann es
möglich wäre / wurden die Scheu
ren
überlaut lachen vor lauter
Freuden : Also glaub noch we
niger
/ daß die jenige Gutthaten /
welche du auß mitleydenden Her
tzen
den armen Verstorbenen
Christ=
Seite S. 186🖼️
✾ 186 ✾
Christglaubigen in die Erd vnd
vnter die Erden schickest / frucht
loß
ablauffen ; sondern seye ver
gwist
/ daß von diser deiner An
dacht
/ so wol das zeitliche als
das ewige Interesse auff ein vn
glaubige
Weiß zuwachse .

Wie der Herr JEsus von Tod
ten
glorreich aufferstanden / ist er
gleich der büssenden Magdalena
erschienen in Gestalt eines Gart
ners
/ vnd ihr vor allen Aposteln
seine Freud= vnd Friden=volle Ur
ständ
angedeüt ; welches dann
nicht ein geringer Favor von
Himmel / vnd ist solches von den
vornembsten Puncten deß Weib
lichen
Geschlechts / ( c ) daß es diß
falls
dem gantzen Apostolischen
Collegio ist vorgezogen worden ;
Gar

(c) Marci 16. cap.

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✾ 187 ✾
Gar füglich haben alle Jünger
vermuthet / als werde der HErr
JEsus forderist erscheinen seiner
gebenedeyten Mutter / vnd nach
folgends
dem H . Petro als einem
schon erklärten Römischen Pab
sten
vnd Vicario auff Erden :
vnangesehen aber diß / hat der
HErr vnd Erlöser seine Urständ
der gebenedeyten Mutter erst
lich
/ alsdann der büssenden
Magdalena angedeut / welche
dann vor allen Apostolischen
Männern den Vorzug / das præ
vnd pro erhalten ; ist aber des
sen
gar ein erhebliche Ursach ;
( d ) dann weil der süsse Heyland
erfahren / daß Magdalena vor
allen andern sein Grab besucht
hat / vnd folgsamb den Todten
wollen

(d) Joan. Echius hom. in die anim.

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✾ 188 ✾
wollen mit ihren kostbahren
Salben Guts thun / dessent
halben
wolt er sich danckbar er
zeigen
/ vnd ihr in Offenbahrung
der glorreichen Urständ dise Ehr
erweisen / damit man wissen solle /
wer den Todten Guts thut /
dem werde es noch auff der Welt
vergolten ; Deßgleichen hat
GOTT der HErr dem blinden
Tobiæ so wunderbarlich das Ge
sicht
erstatt / weil nemblich die
Todten für ihme gebetten / wel
che
er auß vnartiger Barmher
tzigkeit
nächtlicher Weil begra
ben
. ( e )

Jhr Wienner haltet so viel
auff die offentliche Glückshaffen /
welche auff euern Plätzen mit
grossen Gepräng werden auffge
richt;

(e) Tob. 12. August. in Glos.

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✾ 189 ✾
richt ; worinnen offt solche schö
ne
glantzende guldene Keder vor
gestellt
werden / daß fast einen
jeden anzubeissen die Zähn wäs
sern
; aber es mißhellet manchen /
vnd opffert offt einer viel Geld /
deme man es mit lähren Zettel
quittiren thut ; Ja ein solcher
nicht selten mit eignen Geld ihme
Schad vnnd Schand krambt !
Weit ein besserer Glücks=Haffen
ist die Andacht vor die Abgestor
bene
Christglaubige / vnnd hat
sich noch niemand gefunden / der
nicht lauter Glück hätte herauß
gehebt . Wie wunderlich ist fol
gende
Geschicht / welche billi
cher
massen ein jeden solle zur
Andacht vor die arme Seelen
im Fegfeuer ansporren / vnnd
scheint daß dise betrangte Geister
durch
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✾ 190 ✾
durch absonderliche Zulassung
GOttes ihren Gutthätern in al
len
Gefahren Hülff laisten .

Es ware ein Jüngling der in
seiner ohne das schlipffriger Ju
gend
mit allen Lastern behafft
ware / vnd nichts anderst zeigte /
als daß ihme die verzuckerte
Sautrebern diser Welt vor das
beste Confect schmeckte̅ : er nasch
te
mit grossen Lust vnd Gust das
süsse Welt=Gifft / er bisse mit
solchen Appetit in den betro
genen
Welt=Apffel / daß er ihm
gar nicht traumen ließ / als wur
den
hiervon ihme einmahl die
Zähn ewig kläppern / vnd glaub
te
nicht / daß einen die Mauß
fallen
der Welt den Speck so
theuer raitten solle ; O vnglück
selige
Jugend ! Wie zaumloß ey
lest

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✾ 191 ✾
lest du zum Verderben ! was
phantasirest dann / daß du schon
wölst Buß üben in alten Jah
ren
? auff solche Weiß thust du
dem Teuffel das Fleisch vorlegen /
vnd GOtt dem Herrn die Bei
ner
; heist das nicht / den besten
Safft der Welt zu bringen / vnd
das trübe Boden=Geläger Gott
lassen ? Pfuy Wienner / wo ist
dein bekandte Höffligkeit ? Und
wie bauest dein ewiges Heyl auff
einen so grundlosen Sand=Hauf
fen
? Weist dann nicht / daß auch
der Todt vnzeitige Aepffel schitle /
vnd die Fleischhacker bald so viel
Kälber als Küh mit dem Mes
ser
vmb die Gurgel kützlen ? O
wann du nur einmahl die rechte
Brüllen wurdest auffsetzen / vnd
sehen / wie Wurmstichig die
Banck
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✾ 192 ✾
Banck der Weltlichen Wollüsten
seye / wurdest du zweiffels ohne
das Holtz deines gecreutzigten
Heylands vmbfangen : Vergiß
dises nicht mein Wiennerische
Jugend : Gedachter Jüngling
neben Menge der Laster vnnd
Sünden hatte dise einige Tu
gend
an ihme / daß er vor die ar
me
Seelen in Fegfeuer gern ge
betten
/ auch ihnen zum Trost
viel H . Messen lesen lassen / wie
nicht weniger andere Christliche
Allmosen außgetheilt : Nun hat
es sich begeben / daß er ihm nicht
allein den Zorn GOttes auff
den Rucken gebunden / sondern
auch mit seinem übermuthigen
Wandel vnd trutziger Leichtsin
nigkeit
nicht wenig Feind ge
macht
auff der Welt / welche
dann
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✾ 193 ✾
dann auff alle Weiß gesinnt wa
ren
/ dises Welt=Bürschel auß
den Weeg zuraumen / vnnd der
Höll ein gewünschtes Opffer zu
præsentiren . ( a ) Zu disen End
haben sich etliche zusammen ge
rott
in ein Wald / wo schier täg
lich
gedachter Jüngling zu seinen
vnweit entlegenen Mayerhoff
muste durchreitten ; als nun diser
üppige Gesell einest auff einem
stoltzen Klepper dahin trachte /
hat er im Anfang deß Walds et
liche
Stuck von einem geviertle
ten
Strassen=Rauber sehen von
dem Baum hange̅ / welches Urthel
kurtz vorhero ergangen : dise hat
der Jüngling in etwas betracht /
bald aber das gröste Wunder gese
hen
: dann er hat gesehen / das sich
J die

(a) Manni in Sac. Trig.

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✾ 194 ✾
die Stuck bewegen ; hat gesehen /
das sich dieselbe von dem Baum
ablesen ; hat gesehen / O Wun
der
! daß sie herunter gefallen / sich
miteinander vereiniget / vnd al
so
vnverhofft ein Todter leben
dig
auffgestanden / dem Pferd
in den Zaum gefallen / vnd ihn
folgender Gestalten angeredt :
förchte dir nicht / ich bin
warhafftig ; ist dir dein
Leib vnd Leben lieb / so stei
ge
von Pferd herab / vnd
warte biß ich widerumb
zurück komme .

Der ist mehr halb herunter
gefallen als gestigen auß lauter
Forcht / vnd ist wenig abgangen /
daß er nicht gar vor Zittern ver
gangen;

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✾ 195 ✾
gangen ; der Todte aber springt
auff das Pferd / vnnd reuth
Sporrn=Streich in den Wald /
stehet aber nicht lang an / so
erschalte ein schreckliches Knal
len
der Mußqueten vnd Bichsen /
wodurch schon die Feind ver
meinten
/ den Jüngling getödtet
zu haben ; dessenthalben sich ey
lenst
in die Flucht begeben ; der
Todte aber kehrte mit dem Pferd
zuruck / redet den Jüngling also
an : Hast du vernommen
das grosse Schüssen ? di
ses
ist dir vermeint gewest /
vnd haben es gethan dei
ne
nachstellende Feind ; die
Kugel aber hab ich an statt
deiner auffgefangen : du
J 2 wä=
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✾ 196 ✾
wärest dannenhero mit
Leib vnd Seel verdorben /
dafern dich nicht durch di
ses
wunderbarliche Mit
tel
die Seelen im Fegfeuer
( denen du bißhero barm
hertzig
gewest bist ) errettet
hätten . Gehe also hin /
verharre in deiner An
dacht
/ vnd bessere dein Le
ben
/ auff daß du nicht Au
genblicklich
in das ewige
Verderben gerathest .

Vber welches alles der Todte
sich wider voneinander zertheilt /
vnd durch vnsichtbare Händ die
vier Viertel an die Bäumer ge
hänckt

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✾ 197 ✾
hänckt worden . Nun erhellet
es Sonnenklar / was vor ein er
sprießliches
Interesse herrühre
von der Andacht zu den Todten
vnd Christglaubigen Abgestor
benen
!

Die seelige Jungfrau Catha
rina
Senensis
, dero Leib schon
über die hundert vnd etlich dreys
sig
Jahr vnverwesend / hatte ein
absonderlich grosse Lieb getragen
gegen den armen Seelen in Feg
feuer
/ auch denselben stätte Hülff
geleist ; die Ursach aber ihrer sol
cher
Wohlgewogenheit gegen
den Verstorbenen war dise : ( b )
Weil sie nemblich durch ein Of
fenbahrung
von Christo selbst be
nachrichtigt
worden / daß sie über
die sechs hundert grosse Gnaden
J 3 von

(b) In Vit.

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✾ 198 ✾
von Himmel erhalten / durch die
einige Vorbitt der Seelen im
Fegfeuer . Dann zuwissen / das ob
zwar dise arme Geister nicht
mehr im Stand seynd der Ver
diensten
/ so können doch selbi
ge
als liebe Freund GOttes vor
vns bitten ; Wie es die H . Leh
rer
mit grossen Argumenten be
haubten
; Vnd vermuthlich of
fenbahren
ihnen ihre H . Schutz=
Engel
vnsere Nöthen / in wel
chen
wir zu weilen stecken : dahe
ro
sie vns in dergleichen Trang
salen
gar offt durch Zulassung
GOttes einige Beystand leisten .

Ja mein from̅er Wienner / fol
ge
du meinen Rath ; wann et
wann
dich ein zeitliches Unglück
anstosset / wann dich ein weltli
che
Widerwärtigkeit überfallt /
wann

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✾ 199 ✾
wann dir ein grosse Gefahr oder
Last über den Halß nahet / so
thue eins / eyle vnverzüglich nach
der Todten=Capellen / falle dort
auff deine Knye nider / rede die
arme Seelen folgender Gstalt an .
Allerliebste Seelen / wann
ihr mir werdet diß Vbel
abwenden / wann ihr mir
werdet disen Favor vnnd
Gnad zu wegen bringen /
so verheisse vnd verspriche
ich euch / so viel H . Mes
sen
/ diß oder jenes Gebett /
ein Ablaß / rc. Du wirst wun
derbarlich
spühren / daß du offt
wider alles Vermuthen / auß al
len
Vbel vnd Trangsal dich wirst
außwicklen / vnd manches Glück
J 4 dir
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✾ 200 ✾
dir so seltzamb in die Händ
lauffen / worüber sich männig
lich
verwundert . Auff solchen
Schlag hats gemacht die Gott
seelige
Carmeliterin Anna â S .
Bartholomæo
,
welche vierze
hen
gantzer Jahr die Andacht
gelehrnt hat von der H . There
sia
selbsten : Dise hat gar offt
bekennt / daß sie auff solche
Weiß vnfehlbare Gnaden erhal
ten
habe . ( c )

Jn Tyrol in dem schönen
Schloß Arras soll / glaub ich /
noch neben andern Raritäten
auch gezeigt werden der Strick
mit deme sich der Judas Isca
rioth
erhenckt hat ; es hat sich
aber schreibt Theophilactus bey
dessen Todt etwas wunderliches
erei=

(c) In Vit.

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✾ 201 ✾
ereignet ; nemblichen so bald di
ser
sich an den Baum auß Ver
zweifflung
erhenckt / hat sich der
selbe
Baum von freyen Stucken
gebogen vnd geneigt biß auff die
Erden / das also diser hencker
mässige
Bößwicht mit dem Füs
sen
auff der Erden gestanden /
vnd die Diebs=Gurgl Perdon
erhalten / wofern nicht diser ver
zweifflete
Höll=Brocken das an
derte
mahl hinauff gestigen / vnd
sich also elendiglich erdroßlet :
Vmb GOttes willen / fragst du /
warumb der Baum so mitleydent
gewest seye gegen disem Holtz=
Wurm
/ deme gebührmässig der
Galgen zugehörig ? Vernimbe
aber die Ursach / weilen er das
jenige Blut=Gelt / vmb welches
er Gottes Sohn so wohlfeil ver
J 5 hand=
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✾ 202 ✾
handlet
/ in den Tempel hinein
geworffen / vnd nachgehends die
Hebræer vmb dises ein Acker
erkaufft vor die Begräbnuß der
Frembden ; dessentwegen weil er
auch weitschichtig den Todten
geholffen / hat der Himmel nicht
wollen gestatten / daß er solt ei
nes
vnglückseeligen Todts ster
ben
/ dann die Gutthaten / so
man den Todten erweist / vnver
golten
nicht bleiben .

Henriquez in Menologio
Cisterciensi pag : 255 .
Erzehlt
etwas denckwürdiges : daß nem
lich
in der Statt Cervena in
Catalonia in dem Closter beym
H . Creutz genannt / ein Gott
seeliger
Geistlicher gewest / wel
cher
neben andern Tugenden /
auch dise hatte / daß er fast al
lezeit

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✾ 203 ✾
lezeit vor die Abgestorbene ge
betten
; auch so offt es die Kir
chen-Rubric
zu gelassen / vor die
selbe
das H . Meeß=Ambt ver
richt
/ wessenthalben er von etli
chen
Schimpff=Weiß der Feg
feuer=Caplan
ist genannt wor
den
. Einmahl hat es sich zuge
tragen
/ als diser auff dem Freyt=
Hoff
vor die allda Begrabne eyf
ferigst
gebetten / daß ein Tod
ter
die Hand auß dem Grab her
auß
gezogen / vnd ihme die Be
nediction
vnd Seegen ertheilt /
welches als er seiner Obrigkeit
vortragte / mehrer Gelächter als
Glauben erhalten ; in deme er
aber ein andersmahl widerumb
auff demselbigen Gotts=Acker
sein eyffrigst Gebett vollzogen /
vnd die außgestreckte Hand mehr
J 6 mah=
Seite S. 204🖼️
✾ 204 ✾
mahlen
gesehen / laufft er hin /
zieht die Hand sambt dem Armb
herauß / bringt sie vor die Obrig
keit
mit glaubwürdigster Zeug
nuß
/ daß dise die Hand wäre /
welche ihm den Seegen geben :
welche Hand durch ein beharrli
ches
Wunderwerck schon über die
dreyhundert Jahr vnversehrt ge
zeigt
wird . So geben dann die
Christiglaubige Abgestorbene den
jenigen allen ersprießlichen See
gen
/ welche ihnen zu Hülff kom
men
. Ja es kombt diser Seegen
über Kinder vnd Rinder / über
Gemäuer vnnd Scheuer / über
Felder vnd Wälder / über Herd
vnnd Pferd / über Heyd vnnd
Trayd / über Säck vnd Blöck /
über Gut vnd Blut deß jenigen
der sich der armen Seelen erbar
met /
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✾ 205 ✾
met
: Ein solcher ist geseegnet
auff Gassen vnd Strassen / auff
Weeg vnd Steeg / im Hauß vnd
drauß / der den armen Seelen
Hülff reichet . Versichert bist /
daß du kein bessere Geissel hast /
das Unglück zu vertreiben / kein
bessern Schlissel den Glücks=
Kasten
zu eröffnen ; kein bessern
Schildt dich vorn Unglück zu
schiermen
; kein bessern Magnet /
das Glück zu dir zu ziehen ; als
die Andacht vor die Todten . Es
lebt annoch ein gewisser Han
delsmann
/ der hoch betheuret /
das er etlich Jahr so schlechtes
Gewerb gehabt / daß er bereits
vermerckt hat / das schwäre Holtz
deß Bettel-Stabs leine schon
vor der Thür ; so bald er aber
den armen Seelen einige An
dach=
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✾ 206 ✾
dachten
vnd Beyhülff verheissen /
auch dieselbige Treuhertzigkeit
gehalten / seye das Glück ihme
handgreifflich zu geeylet / vnnd
ihme das Gewerb also gewachsen /
daß seine Nächsten vor ein Zau
ber=Stückel
es argwohnten :
heist das nicht Interesse von
Todten einnehmen ?

Bißhero aber haben dir nur
Ohren klingt von den zeitlichen
Gwinn ; erwege aber forderist /
was Seelen=Nutzen dir auß sol
cher
Andacht entspringe ; Orige
nes
halt darvor daß jene Feuer=
Flammen
/ so die Statt Gomor
rha
vnd Sodoma eingeäschert /
seynd genommen worden auß
dem Ofen der Höll / vnd haben
solche darumben den Loth nicht
berühren können / alldieweil er
so

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✾ 207 ✾
so barmhertzig ware gegen den
Armen .

Deme dann beystimmet der
Heil . Crysost : Misericordem
nescit divinus Ignis exurere ,

Ein Barmhertziger kan
von dem Höllischen Feuer
nicht gestrafft werden /
welches eygentlich die jenige an
gehet
/ so da barmhertzig seynd
gegen den armen Seelen im Feg
feuer
.

Deßgleichen prangen die
Gutthäter der armen Seelen mit
den Frey=Brieff / daß sie eines
üblen Todts nicht können ster
ben
: Anno 1600 . die Annales
der Societet JESU verzeichnen /
wie daß in der Statt Nola ein
Mensch lebte / deme alle Forcht
GO=

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✾ 208 ✾
GOttes verschwunden / vnd das
sündliche Leben bereits ihme alle
Hoffnung zum ewigen Heyl ver
rigelt
: Als er einsmahl ohne
schlagende Halß=Uhr deß nagen
den
Gewissens=Wurm in tieffen
Schlaff ware / seynd ihme etli
che
Seelen erschienen auß dem
Fegfeuer / deren Peyn er mit All
mosen
geben gemindert vnd ge
ringert
hätte ( diser einige gute
Gedancken war noch in dem er
kalten
Hertzen ) vnd haben ihm
solche Geister ernstlich ermahnt /
er solle sich zum Todt bereitten /
alldieweil sein letztes Stündl
bald werde kommen ; wie er sich
dann von Stund an auff das
eyffrigst zum Todt bereitet / vnd
müglichste Reu vnd Leyd sambt
einer General-Beicht verricht ;
stirbt
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✾ 209 ✾
stirbt den andern Tag deß
hen
Todts . Wird dahero nicht
bald jemand eines üblen Todts
sterben / der gegen den Todten
mitleydig ist ; Es ist nicht recht
möglich / daß einer könne der
Seeligkeit entgehen / der da den
Seelen verhülfflich ist zur See
ligkeit
; es ist nicht recht mög
lich
/ daß jemand könne gera
then
in das Ewige Weh / wel
cher
das Zeitliche Weh ! von
den Seelen deß Fegfeuers ab
wendet
; Ja es trägt ein solcher
an ihme ein trost volles Zeichen
der ewigen Prædestination .

Den Wiennern weiß ich kei
nen
bessern Spiegl in dem sie
sich ersehen / als jenen Verwal
ter
/ von deme der Evangelist
Lu-

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✾ 210 ✾
Lucas schreibt : ( f ) Ein reicher
Herr hatte einen Bedienten vnd
Verwalter / der aber gar ein
schlechte Wirthschafft führte /
vnd allem Ansehen nach thäte er
alles durch Jausen / Sausen / vnd
Schmausen verhaussen ; Wie
aber solches dem Herrn zu Oh
ren
kommen / schaffte er gleich
an ein schleunige Raittung / vnd
nach diser den Abschied ; der gute
Tropff kratzte sich dessenthalben
hinter den Ohren / machte ihm
selbst vnterschidliche Gedancken /
wie / wo / wann / was er solle
vnd wolle anfangen ? dann zu
betlen
schäme er sich / weil ihm
vorhero die Bauren Jhr Gestreng
gescholten ; zum arbeiten taug er
nicht / dann ihme Blattern auf
fahren

(f) Luc. 16.

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✾ 211 ✾
fahren
/ ehe er die Arbeit angreifft ;
doch endlich fallt den argen
Schlauch diser Fund ein / er
rufft alsbald die Schuldner zu
sammen
/ fragt den ersten / was
bist du meinem Herrn schuldig ?
der sagt hundert Tonnen Oehls ;
gar recht / setz dich nieder vnnd
schreibe funffzig . Er sprach zu den
andern / was bist du schuldig ?
hundert Malter oder Muth Wai
tzen
; gut / setz dich nieder vnd
schreib funffzig : auff solche Weiß
gedacht der Arglist / wann ich
ihnen auß den Schulden hilff /
alsdann werden sie wol so danck
bar
seyn vnnd mich dienstlosen
Tropffen in ihre Häuser auffneh
men
; Diser kluge Anschlag ver
diente
billichs Lob / Laudavit
Dominus Villicum Iniquitatis .

Liebe
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✾ 212 ✾

Liebe Wienner / thut ihr auch
deßgleichen / begebt euch in das
Fegfeuer / steigt mit euern Ge
dancken
hinunter in disen peyn
lichen
Feuer=Ofen / allwo
die arme Seelen lauter Schuld
ner
seyn / vnd bezahlen müssen
biß auff den letzten Häller ; helfft
ihnen mit ein H . Meeß=Opfer /
mit einer inbrünstigen Commu
nion
,
mit einem andächtigen
Rosen=Krantz / mit ein vilwür
ckenden
Ablaß / mit einem Christ
lichen
Allmosen / rc. Jhre Schul
den
zahlen ; seyt vergwist / wo
fern
ihr ihnen solcher gestalt werd
auß den Schulden helffen / so wer
den
sie euch nachmahls in ihre
Häuser auffnehmen ; mit ihren
ohnabläßlichen Bitten bey dem
höchsten GOtt so vil außwür
cken /

Seite S. 213🖼️
✾ 213 ✾
cken / daß er euch Kinder der
Seeligkeit machet ; ja es schei
net
schier kaum möglich zu seyn /
daß einer könne ewig verlohren
werden / der mit seinen Verdien
sten
vnd Heiligen Wercken ein
Seel auß dem Fegfeuer erlöset ;
dann so bald ein solche erlöste
Seel zu dem Angesicht GOt
tes
gelangt / fallet sie gleich ni
der
zu den Füssen JEsu / danckt
ihm forderist ohnendlich / daß er
sie als ein Mit=Burgerin deß
Himmels auffgenommen ; nach
mahls
bittet sie ihr die erste Gnad
auß / welche der höchste GOtt
fast niemahls abschlägt / sie bit
tet
nemblich vmb Heyl vnd See
ligkeit
deß jenigen / durch dessen
Hülff sie den Banden deß Feg
feuers
entgangen ; ja auff ewig
wird
Seite S. 214🖼️
✾ 214 ✾
wird solche der empfangenen Gut
thaten
nicht vergessen ; Gleich
wie
nun die Verstorbene Wien
ner
ohnfehlbar von vns Hülff
erwarten / also bleibt vns gleich
mässig
nicht auß die Hülff vud vnd
Danck derselben .

Thomas Cantiprat : schreibt
ein wunderliche Geschicht / wie
daß einsmahl ein Geistlicher bey
der Nacht einem Krancken vnd
Sterbenden das Höchste Gut
habe gereicht / als einen Göttli
chen
Zehr=Pfenning auff die
Reiß in die Ewigkeit ; da er nun
wider zuruck kehrte in die Kir
chen
/ vnd nach eingesetzten Ci
borio
mit gebührender Ehrent
bietsambkeit
nach Hauß eylte /
zupffte ihm jemand auf dem Freyt=
Hoff
; Diser wendt sich vmb /
ver=

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✾ 215 ✾
vermerckt aber daß es durch ein
ohnsichtbahre Hand muß gesche
hen
seyn / hört aber gleich hierauff
folgende Stim̅ ; Allo ! auff
ihr Todte ; vnser Gutthäter
ist schon verschieden / last
vns für ihn auch betten / der
so vilmahl bey Lebens=Zei
ten
für vns gebetten hat .
Nach disem war ein grosses Ge
räusch
vnd helles Getöß der Bei
ner
/ in dem alle Todten allda sam
mentlich
auffgestanden / sich in
die Kirchen begeben / vnd allda
für ihren gewesten Gutthäter
das Officium der Abgestorbnen
mit lauter Stim̅ gesungen / wel
ches
Wunder=Geschicht den
Geistlichen dahin bewegt hat /
daß
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✾ 216 ✾
daß er die übrige Lebens=Zeit in
einem strenge̅ Orden mit Bußfer
tigkeit
vnd Heiligkeit zugebracht .
Bringe̅ daher tausentfältiges In
teresse
alle die jenige Gutthaten
welche man den armen Christ
glaubigen
in jener Welt erzeigt /
vnd werdet ihr am Jüngsten Tag
von dem Mund Jesu Christi deß
Göttlichen Richters in dem
Thal Josaphat hören / wie daß
er forderst werde hervorstreichen /
vnd beynebens ewig belohnen
jene Barmhertzigkeit / die ihr den
Seinigen Armen erwisen habt
in dem Fegfeuer . Wohlan dann
allerliebstes Wienn ! etliche
Stätt in dem Ertz=Hertzogthumb
Oesterreich haben den Nahmen
Mitleydent in der Land=Taf
fel
/ als wie Corneüburg / Stain /
Waid=
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✾ 217 ✾
Waidhoffen / rc. Dergleichen
mehr / so alle mitleydende Stätt
in dem Lands=Protocoll ver
zeichnet
seynd / du aber anseheliche
Residentz=Statt tragst zwar vn
ter
solcher Verständnuß nicht di
sen
Namen / aber wirst dich hof
fentlich
nicht schamen ein mitley
dende
Statt genennt zu wer
den
/ gegen den armen Seelen
im Fegfeuer : siehe / seynd dir
doch die Augen noch roth von
dem vielfältigen Weinen vor ei
nem
Jahr / zu welcher Zeit der
hungerige Erd=Boden sich mit
lauter Wienner=Bissel zusätti
gen
begehrte / Weil nembich nemblich de
ren
so grosse Anzahl vnter die
Erd kommen / vnd aber noch zu
dir ihre klägliche Stimmen er
heben
/ vnd ohnaußsetzlich schreyen
K Mi-
Seite S. 218🖼️
✾ 218 ✾
Miseremini , Miseremini : al
lerliebstes
Wienn hast du doch
den Namen von dem Wasser /
wirst also hoffentlich weich=her
tzig
seyn gegen den armen See
len
im Fegfeuer ; allerliebstes
Wienn / hast doch stäts vor Au
gen
vnnd im Gedancken den
Hoff / wirst also hoffentlich deß
Freyt=Hoffs nicht vergessen ;
allerliebstes Wienn / du wirst erst
den Titl von Gott erhalten einer
ansehelichen Statt / wann du
dich wirst stattlich zeigen in der
Andacht für die Verstorbene ;
Allerliebstes Wienn sprich
heut vnd allezeit mit mir /
wie ich mit dir .

Requiem æternam dona eis
Domine & lux perpetua
luceat eis .

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Seite h. fliegendes Vorsatzblatt recto🖼️
Seite h. fliegendes Vorsatzblatt verso🖼️
Seite h. Umschlag recto🖼️
Seite h. Umschlag verso🖼️